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Posts Tagged ‘KTG’

Erst zu Guttenberg, dann Koch-Mehrin – wer wird das nächste Opfer der Plagiatsjäger?

In meinungen on 13/04/2011 at 16:17

Nachdem von KTGs wissenschaftlichem und politischem Renommee allenfalls noch ein Gerippe übrig ist, die Tochter von Edmund Stoiber kurz davor steht, ihren Doktortitel ebenfalls niederzulegen und nun auch Silvana Koch-Mehrins Fassade von Intellekt und Redlichkeit massive Auflösungserscheinungen zeigt, drängt sich die Frage auf: Wer ist der Nächste?

Die Plagiatsjäger mühen sich gerade am Titel „Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik“ von Dr. Silvana Koch-Mehrin ab und sind dort in kürzester Zeit auf über 20 Seiten fündig geworden. Schlechtes Licht fällt damit auf die nächste vermeintliche Eliteschmiede der deutschen Hochschullandschaft und Koch-Mehrins Doktorvater Prof. Dr. Volker Sellin von der Uni Heidelberg. Schreitet die Arbeit der anonymen Ermittler hier ähnlich schnell voran wie im Falle zu Guttenberg, dürfte es eine Frage von Wochen sein, bis der Bundestag erneut frische Visitenkarten mit einem akademischen Titel weniger drucken muss.

Im Zuge der Runderneuerung des Images unserer politischen Elite, schlage ich Dr. Kristina Köhlers Arbeit zum Thema „Gerechtigkeit als Gleichheit“ von der Uni Mainz als nächstes Untersuchungsobjekt vor. Der Prozess dürfte kurz werden, denn die Indizien für einen Verstoß gegen die Grundregeln des wissenschaftlichen Arbeitens mehren sich bereits bevor ein mögliches „Köhler-Plag“ überhaupt die Arbeit aufgenommen hat. Eine Zusammenfassung…

  • Die Qual der Wahl: Als Bundestagsabgeordnete arbeitete Frau Köhler nach eigenen Angaben bis zu 16 Stunden täglich und musste sich an den Wochenenden in ihrem Wiesbadener Landkreis sehen lassen (SZ). Und nebenbei eine Dissertation verfassen? Möglich ist das nur bei einem Thema, das schier endlose Synergien mit dem Tagesgeschäft ermöglicht: So untersucht Köhler, inwieweit die Wertevorstellungen von Bundestagsabgeordneten der CDU mit denen der CDU-Mitglieder übereinstimmen und befragt dazu die Kollegen Parteifreunde, mit denen sie jeden Tag zusammentrifft.
  • With a little help from my friends: Dazu wurde ein zehnseitiger  Fragebogen konzipiert, die Ergebnisse manuell in eine Datenbank überführt und erste Auswertungen vorgenommen… Selbstverständlich blieb diese vermeintlich stupide Arbeit nicht an der heutigen Bundesministerin persönlich hängen, Doktorvater Falter stellte Personal auf Mini-Job-Basis zur Verfügung. Ach ja: Das Layout der Arbeit übernahm derselbe Mitarbeiter.
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Der 1.4.2011: Ein Tag voller Sensationen

In miscellaneous on 01/04/2011 at 07:39

Der heutige Tag ist noch jung, in den meisten Büros ging erst vor wenigen Minuten das Licht an. Doch in manchen Agenturen und Redaktionen haben fleißige Buchstabendreher Nachtschichten eingeschoben, um der Bedeutung des heutigen Tags Ausdruck zu verleihen und die eigenen Leser am Morgen des 01.04.2011 mit einer Krachermeldung zu beeindrucken.

Wir wollen diese investigative und aufopfernde Leistung würdigen und den Tag mit einem Review der (bis 9 Uhr eingetroffenen) spektakulärsten Meldungen begrüßen:

Traditionell betreffen viele der heutigen Meldungen spektakuläre Personalia. So scheint Konstantin Neven DuMont sich erstaunlich schnell rehabilitiert zu haben: Vor wenigen Monaten wandelte der Verlegerspross durch ein tiefes Tal der Social-Media-Tränen, kommentierte unter falschen Identitäten und wurde von Stefan Niggemeier peinlich bloßgestellt. Heute macht DuMont aus der Not eine Tugend und beschäftigt sich endlich auch hauptberuflich mit dem Web2.0! Ein wahrer Kunstgriff seines neuen Arbeitgebers Axel Springer. Mehr

Weitere heiß diskutierte Themen im Social Web sind der Datenschutz und das Recht am eigenen Bild. Der Europäische Gerichtshof hat die Gültigkeit seiner Gesetzgebung nun endlich auch auf unsere tierischen Freunde erweitert, die nur allzugerne von sensationslüsternen Herrchen und Frauchen im Internet bloßgestellt werden – oft gar ohne Vollmacht und schriftliche Erlaubnis! Erfolgreich geklagt hatte übrigens die Tierschutzorganisation „Angry Birds“, die bisher vermutlich nur eingefleischten Smartphonenutzern geläufig war. Mehr

Eine wahrhaftige Sensation der intuitiven Softwaresteuerung und einen Meilenstein in der Mensch-Maschine-Kommunikation stellt Google heute vor: die Beta-Version von „Google Motion“. Durch die Nutzung der eingebauten Kamera und die Verwendung standardisierter Gesten, die mit Experten verschiedenster Fachrichtungen entwickelt wurden, ist es seit heute – dem als historisch einzuordnenden 1.4.2011 – möglich, seinen Gmail-Account mit einfach erlernbaren und intuitiven Gesten zu steuern. Die Zeitersparnis und der Wow-Faktor unter den Kollegen können sicher kaum überschätzt werden. Google erläutert das Ganze folgerichtig auch in einem Demo-Video (bisher noch ein Geheimtipp mit nur 300 Views). Mehr

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Guttenbergs Facebook-Fake und der Tipping Point

In medien, meinungen on 08/03/2011 at 08:54

Noch einmal KTG: Nachdem in den vergangenen Tagen nur wenige Hundert Fans ihre guttiphile Meinung auf den Unterstützer-Demos in Berlin und Hamburg geäußert hatten, steigt die Verwunderung über knapp 600.000 Anhänger, die die beiden großen Pro-Guttenberg Gruppen („Wir wollen Guttenberg zurück“ und „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg„) vereinen. Im Stundentakt werden neue Mutmaßungen und Interpretationen aus den Kommentarspalten der Blogs und Newsportale gezaubert: Sind die Facebook-Fans am Ende gar nichts wert? Ist die Hoffnung auf eine politischere Jugend völlig unbegründet? Ist die Fanpage gar ein Machwerk gewiefter PR- und Social-Web-Agenturen?

Um sich nicht im Geflecht aus Gerüchten und Meinungen zu verlieren, konzentrieren wir uns auf den letzten Aspekt. Eine kurze Chronik: Zunächst meldete sich Medienstratege Peter Berger zu Wort, wühlte in seinem Erfahrungsschatz und bekundete, dass Guttenberg im unpolitischen Deutschland in drei Tagen niemals mehr Fans rekrutieren könne als DSDS in 9 Jahren. Die vage, aber plakative Vermutung untermauert er mit ausgewählten Indizien, die darauf hindeuten könnten, dass ein Teil der Unterstützung aus dem Netz elektronisch erzeugt worden sein könnte (Fans ohne Freunde und Interessen / kopierte Kommentare, sog. Sockenpuppen / unbekannter Betreiber der Fanpage / etc.). Auf den konstanten Zuwachs von Fans – auch zu nächtlicher Stunde – fokussiert weiterhin der (mir gänzlich unbekannte) Derivatehändler Kristjan Schmidt, der hierin einen klaren Hinweis auf einen künstlich erzeugten Unterstützerstrom sieht. Wenig später hat sich auch Netzaktivist Sascha Lobo in die Diskussion eingeschaltet und die „Facebook Fake Finding Force“ gegründet, die durch die Beteiligung der Netzcommunity weitere Indizien für eine gezielte Manipulation liefern soll. Die Diskussion endete relativ abrupt mit dem exklusiven Einblick von Rhein-Zeitungs-Blogger Marcus Schwarze in die internen Statistiken der Facebook-Fanpage. Klares Ergebnis: Es gibt keine Indizien für gezielte Manipulation. Das muss nicht heißen, dass es keine gegeben hat bzw. gibt – Schwarze bezeichnet sich selbst als „kein Experte“ auf dem Gebiet – aber es hat erheblich zur Beruhigung der Debatte beigetragen. Womit wir zum eigentlichen Thema kommen…

Denn was hier vermutet wurde, ist gelebter Alltag in der Auftragsakquise von Social-Media-Agenturen: Fans werden den werbetreibenden Kunden als schlichtes „Klickvieh“ angeboten und im Zehntausenderpaket meistbietend verschachert. Im Zuge einer performanceabhängigen Entlohnung der Agenturen greifen sie nicht selten zu Prinzipien und Technologien, um ein Thema aktiv zu befeuern – sei es mit Fans, mit Seitenaufrufen oder mit Kommentaren. Der Experte spricht dann von Astroturfing, einem Ansatz, der eine basisdemokratische und spontane Graswurzelbewegung vortäuschen soll. klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

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