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Sparkassen-TV zur Prime-Time: Die Dauerwerbesendung „17 Meter“

In marketing, medien on 12/06/2011 at 12:02

Kindsköpfe auf großer Fahrt: Gestern Abend durften sich die beiden ewig pubertierenden MTV-Allzweckwaffen Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt tatsächlich einem breiten Publikum auf Pro7 präsentieren. Mitgebracht hatten sie eine Show, die nur auf den ersten Blick aus den besten Elementen von Jackass, Schlag den Raab, Wetten-Dass und dem Tigerentenclub zusammengeklaut war. Die schlimme Vermutung: Sie stammt in Wahrheit aus der Feder der Sparkassen-Werbeagentur „Jung von Matt/Spree“!

Die Berliner Agentur setzt derzeit neue Maßstäbe in der Kategorie „360°-Werbekampagnen“: Integrierte Werbeformen mit Print, TV-Spots und Radio sind mittlerweile ein alter Hut. Bei etwas hipperen Aktionen kommen noch virale Spots und ein bisschen Crowdsourcing dazu. Was es aber noch nie (ohne eine störende „Dauerwerbesendung“-Einblendung) gab: Eine TV-Show zur Prime-Time auf dem beliebtesten Sender der Zielgruppe 14-29 ganz im Stile der laufenden Werbekampagne. Klingt aberwitzig und verschwörerisch? Die Fakten sprechen für sich:

  • Das Moderatorenteam: Die Beavis und Butt-Heads des deutschen Fernsehens wurden aufgrund Ihrer beißenden Rhetorik und ihrem pubertären Witz sowohl von der Sparkasse als auch von Pro7 eingekauft – zeitgleich!
  • Die Zielgruppenansprache: Joko und Klaas sorgen für die Sparkassen-Banking-Apps („Giro sucht Hero“) und die Pro7-Show „17 Meter“ für Lacher, bei denen sich 15jährige die Baggypants vollpieseln dürften. Respektlos, mit Siebtklässler-Humor und Dauergrinsen sind sie derzeit DIE Vorbilder der Smartphone-Generation. Das passt gut bei Pro7, das passt gut bei der Sparkasse!
  • Das Showkonzept: Einst ersonnen von den Machern des Tigerentenclubs hat es das 2-Moderatoren-2-Teams-Prinzip jetzt auch in die „Giro-sucht-Hero“-Kampagne der Sparkasse und die neue Prime-Time-Hoffnung von Pro7 geschafft. Joko ist Dortmund, Klaas ist Schalke. Wer gewinnt mit seinem Team die „17 Meter“? Auge um Auge, Maus gegen Maus.
  • Der Farbcode: Pommes, Sparkasse, 17 Meter – rot und weiß sind deine Farben. Bei jeder Gelegenheit wurde gestern der Sendesaal in die Sparkassen-Farben getaucht. Wenn’s um’s Geld geht – 17 Meter!
  • Die Werbeblöcke: In den kurzen Pausen auf den Gipfeln der Spannungskurven (sic!) der Show, wurden die gespannten Zuschauer keineswegs für einen kurzen Moment von den moderierenden Bankangestellten befreit, im Gegenteil: weiterlesen Den Rest des Beitrags lesen »

product placement im tv – zwei monate danach

In marketing on 06/06/2010 at 20:07

seit gut 9 wochen sind hierzulande product-placements erlaubt. nicht, dass wir vorher noch keinen anlass hatten, uns darüber zu ärgern – bester beleg dafür: das mediale vermächtnis des nationalhymnen-vaters stefan raab auf pro7 (anderes beispiel: der 007-streifen „stirb an einem anderen tag“ spülte allein an product-placement über 120mio$ in die kassen von pierce brosnan und co.). neu ist allerdings, dass auch die strenge arbeitsgemeinschaft der landesmedienanstalten in der bundesrepublik deutschland (ALM) damit einverstanden ist. sie schreibt in ihrer pressemitteilung vom 18.3.2010:

so dürfen produktionsfirmen und private rundfunkveranstalter ihren werbekunden produktplatzierungen gegen entsprechende entgelte in unterhaltungssendungen, serien, spielfilmen oder etwa in sportsendungen anbieten. verboten sind produktplatzierungen in nachrichtensendungen, informierenden magazinsendungen und im kinderfernsehen.

hintergrund ist in erster linie die bestrebung, die deutschen medienanstalten im europäischen wettbewerb um werbegelder und vermarktungskonzepte nicht zu benachteiligen; in anderen eu-ländern ist product-placement schon länger gängige praxis. allerdings – und damit beginnt die verwirrung: bezahlte produktplatzierungen dürfen in die handlung des films oder in eine sendung nur „aus überwiegend programmlich-dramaturgischen gründen“ eingebaut werden, so die ALM. ob der nutella-pott auf dem frühstückstisch in meiner lieblings-soap wirklich für das filmisch-künstlerische konzept des handlungsstranges erheblich ist, darf – mit verlaub – bezweifelt werden. klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

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