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Ein Zimmer voller iPads und ein Netz voller Realitätsnihilisten

In meinungen on 19/02/2013 at 14:57
Wenn es um Gewinnspiele auf Facebook geht, geben manche Leute ihren Verstand offenbar an der Log-In-Maske ab. Völlig egal, wie absurd der in Aussicht gestellte Gewinn auch sein mag, sämtliche rationalen Denkmuster haben dann erst einmal Pause. Stattdessen übernehmen Hoffnung, Träumerei und Naivität das Heft des Handelns. So spamen liken, spamen teilen und spamen kommentieren die Realitätsnihilisten, was die Tastatur hergibt und sie ihren Facebook-Freunden noch zutrauen zu können glauben (bitte nicht persönlich nehmen, Homies!).

 

Neu ist das nicht, ganz im Gegenteil. Aber auch, wenn noch nie jemand von jemandem gehört hat, der jemanden kennt, der seine funkelnigelnagelneue Hardwareausstattung aus Cupertino bei einem Facebookgewinnspiel gewonnen hat – solche Irrungen sind partout nicht tot zu kriegen. Heutiges Beispiel: „Lukas Ungerland“ und „Felix Stetter“ verlosen 1000 iPads und 1000 MacBooks bei Facebook, weil die noch in ihrem WG-Zimmer (lt. Profil irgendwo in Köln) herumstehen und dort überraschend viel Platz in Anspruch nehmen. Nett sehen sie aus, die beiden grinsenden Jungs mit ihren Hipsterbrillen…

Wahre Wohltäter: Lukas Ungerland und Fabian Stetter verschenken 1000 iPads und 1000 MacBooks

Wahre Wohltäter: Lukas Ungerland und Felix Stetter verschenken 1000 iPads und 1000 MacBooks

So gern ich auch an den vollkommenen Altruismus („Weil wir so NETT sind!“) der beiden Studenten glauben würde und selbst, wenn ich den zehntausenden (sic!) hoffnungsvollen Teilnehmern den Gewinn von Herzen gönne: Herr Ungerland, Herr Stetter – ich hätte da noch einige Fragen:

  • Wie hat es Ihr Fotograf geschafft, dass sein eigener Schatten zwar auf Ihren Knien, nicht aber auf den Produktverpackungen im Hintergrund zu sehen ist? Ist das eine neue Technologie aus Übersee? Mögen Sie interessierten Amateuren einen Tipp geben?
  • Seit Monaten suche ich nach einem Dreieckigen Karton für mein diagonal durchgebrochenes MacBook. Wie ich auch dem Foto in der oberen linken Ecke sehen konnte, haben Sie so eine Kiste aufgetrieben. Verraten Sie, wo?
  • Wieso genau haben Sie nicht z.B. 1 MacBook oder 2 iPads verkauft und von dem Geld einen Photoshop-Basics-Kurs gebucht? read on… Den Rest des Beitrags lesen »

iPad Fake Ad – Kreative Werbung auf mobilen Endgeräten

In marketing on 17/08/2012 at 15:05

Facebook tut sich schwer in diesen Tagen: Nicht nur, dass der Aktienkurs nach der Schwemme frisch handelbarer Anteile den Klickzahlen von StudiVZ nacheifert, auch die jüngsten Quartalszahlen waren alles andere als rosig. Neben Steuernachzahlungen und die Mitarbeiterentlohnung mit Aktien gibt es dafür vor allem einen Grund: Die Nutzung von Facebook über mobile Endgeräte nimmt rasant zu – und damit der Anteil der Sessions, die von Anzeigen kaum erreicht werden können.

Genau diese kontextsensitiven Anzeigen in den Profilen der Nutzer steuern jedoch den Löwenanteil zum Umsatz des weltgrößten sozialen Netzwerks bei. Lösungen für die Integration von Werbung in die mobilen Dienste sind daher für Facebook absolut erfolgskritisch und überlebensnotwendig. Bislang wird mobile Werbung in Facebook überwiegend als Abbinder bzw. Banderole eingesteuert – und hat damit ungefähr den Charme früher Display-Ads im Internet der 90er Jahre.

In Brasilien hat man etwas dagegen! Konkret: Der BBDO-Ableger aus São Paulo. Für die KFZ-Versicherung Bradesco Seguros wurde eine Werbeform für mobile Endgeräte entwickelt, die der Nutzer nicht umgehen kann und die er dennoch lieben wird:

Während der Nutzer durch die iPad-Ausgabe einer Autozeitschrift blättert, wird zwischendurch eine Anzeige eingeblendet, die er – wie gewohnt – mit einem Fingerwisch überblättern will. Was dann passiert trifft ihn völlig unvorbereitet: Nicht die Seite schlägt um, sondern das Auto im Mittelpunkt der Anzeige nimmt Fahrt auf. Und fährt direkt in eine Mauer! Totalschaden. Aus dem Nichts.

Damit deckt sich die Darstellung zu 100% mit der Botschaft der Werbung: Unerwartete Dinge passieren ohne Vorwarnung („Unexpected events happen without warning“). Es wird also dringend Zeit für eine Autoversicherung („Make a Bradesco car insurance plan“). Die Idee und die Umsetzung sind so gut, dass wir sicherlich nicht lange auf Nachahmer warten müssen – bleibt zu hoffen, dass dieser charmante Ansatz nicht mit billigen Hau-Ruck-Kopien der werbetreibenden Industrie entzaubert wird.

Handelsblatt versucht sich als iPad2-Discounter – und mogelt mit den Fakten

In marketing, medien on 21/04/2011 at 19:15

Der Abo-Service des Handelsblatts kündigte heute an, uns Lesern und potentiellen Abonnenten ein ganz besonderes Schmankerl zu Ostern präsentieren zu können: Ein 2-Jahres-Abo inkl. iPad2 bei einer Ersparnis von rund 1.200 EUR. Die Meldung wurde erwartungsgemäß schnell aufgegriffen und u.a. über ibusiness und turi2 verbreitet.

Doch gerade, wenn es um das iPad2 geht, ist nicht alles Gold, was glänzt. Ausreichend Anlass also, das Angebot der Verlagsgruppe Handelsblatt einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Wenn jemand bereit ist, 1.111 EUR für’s Zeitungslesen zu investieren, sollte man annehmen, dass er den Deal auf Herz und Nieren prüft. Bei dem Ostergeschenk des Handelsblatts ist das bisher nicht passiert. Wir legen also die OP-Schürze an, zücken das Skalpell und schälen die glänzende Schale vom Osterei.

Die Anzeige addiert 4 Posten zu einer Summe von 2.316,98 EUR, aus der sich eine „Ersparnis“ von über 1.200 EUR ergeben soll. Einer dieser Posten beträgt 0,00 EUR für die iPad-App und ist daher für das Zahlenspiel unerheblich. Die zweite Angabe bezieht sich auf den Gerätepreis des iPad2. Dieser wird mit 579 EUR in der 32GB WiFi-Variante angegeben – das entspricht dem Listenpreis von Apple, ist also auch unkritisch. Spannend wird es bei den verbleibenden Kostenpunkten, die aus der Handelsblatt-eigenen Sphäre stammen. Hier wurde tief in die Trickkiste gegriffen und getreu dem Motto „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ ein Osterei präsentiert, das ohne die erwähnte glänzende Schale heftig zu stinken beginnt.

Was an diesem Ei faul ist? Zunächst wird der finanzielle Gegenwert eines Handelsblatt-Zweijahres-Abos mit 1.098 EUR angegeben, das sind 549 EUR pro Jahr. So steht das zwar auch in der Preisliste der Zeitung, allerdings handelt es sich hierbei um einen rein virtuellen Preis, da jedes Abo zusammen mit einer Bargeld-Prämie von 225 EUR pro Jahr angeboten wird. Der tatsächliche Preis eines Jahresabos liegt damit bei 324 EUR, oder für zwei Jahre bei 648 EUR. [Edit: siehe dazu die Kommentare von „derChris“, „Uli“ und „Stephen“ sowie die Updates am Ende des Artikels.]

Weiterhin führt die Anzeige das ePaper der Handelsblatt-Ausgabe mit einem Preis von 639,98 EUR auf. Hier offenbart sich eine frappierende Rechenschwäche des zuständigen Autors: klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

Tablets: Netto verhökert i-Pad-Kopie mit Android 1.6

In miscellaneous on 17/01/2011 at 15:43

Bevor die Schwemme an Tablet-PCs mit innovativem Android 3.0 auf dem Consumer-Electronics-Markt landet, versucht sich der „Netto Marken-Discount“ seit heute daran, noch unentschlossene Kunden von einem Billig-Tablet im wahrsten Sinne des Wortes zu überzeugen. Sagenhafte 99 EUR kostet das Gerät, das vom iPad auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden ist:

Rechts das Original von Apple, links die Fälschung von Jay-Tech, die Ende letzten Jahres für 139 EUR schonmal bei Rossmann und für 149 EUR bei real,- über die Theke ging. Auf den ersten Blick scheint das Gerät ein echter Preis-Leistungs-Kracher zu sein. Schließlich sieht das iPad genauso aus und kostet rund 7x so viel. Auch die im Prospekt angegebenen Spezifikationen klingen zwar alles andere als revolutionär, jedoch zunächst solide und ausreichend für einen Light-User. Ein Blick hinter die Kulisse lohnt sich aber:

  • DISPLAY: Angespriesen wird ein „berührungsempfindliches Display“. Mit einem TouchScreen, wie man ihn vom iPad oder aktuellen Android-Handys gewohnt ist, hat das aber wenig zu tun: Es handelt sich um ein resistives Display, bei dem man gehörigen Druck auf den Bildschirm ausüben muss. Leichtes Berühren reicht nicht, ebenso unterstützt es kein Multitouch.
  • BETRIEBSSYSTEM: Als ausgewiesener Android-Freund muss man sich schon wundern – da traut sich Netto mit einem Gerät auf den Markt, das technisch absolut überholt ist und: Android 1.6 ist von Google nicht einmal für Tablets freigegeben! Immerhin: Bei Rossmann wurde das gleiche Gerät damals noch mit Android 1.9 verkauft – ein System, das es nie gegeben hat.
  • PROZESSOR: 300 MHz haben zwar vor Jahrzehnten noch locker für die Mondlandung gereicht, heute lässt sich damit nicht einmal mehr ein kleines Handy-Game wie „Angry Birds“ flüssig darstellen. Allenfalls zum Seitenaufruf im Internet oder Anzeigen von Bildern reicht das noch aus.
  • ARBEITSSPEICHER: 128 MB gönnt uns der Hersteller Jay-Tech. Hier gilt dasselbe wie bei dem Prozessor – nett, aber einfach 5 Jahre zu spät am Markt.

Statt ewig so weiterzumachen (Anschlüsse, Akku, Größe…), soll meine Kritik eher konstruktiv ausfallen: Wofür kann man so einen Tablet-PC verwenden? Vielfältig einsetzbar ist das Gerät nämlich auf jeden Fall: Als Topfuntersetzer, Fliegenklatsche, Katzenklappe oder Eiskratzer… Wer noch mit gezückter Geldbörse bei Netto im Laden steht, sollte für die 99 EUR lieber 20 KG Schweinegulasch kaufen – das ist auch im Angebot und hat vermutlich eine deutlich größere Halbwertszeit.

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