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Newsletter-Programm außer Kontrolle: Youtailor feuert aus allen Rohren

In marketing on 03/06/2013 at 18:06
Selbstbewusstsein, Wachstumslust oder das letzte Aufbäumen? Youtailor ließ vergangene Woche nach langer Abstinenz mal wieder von sich hören. Allerdings nicht wie erhofft mit guten Nachrichten von der Fulfillment-Front, sondern einer Newsletter-Welle, die selbst dem dreistesten Marktschreier ein gefälliges Nicken abverlangen würde.

 

Wenn Praktiker 20% auf alles (selbstverständlich außer Tiernahrung, Pflanzen und alles, was einen Stecker hat) gibt, lockt der Discount-Baumarkt damit niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Die Kunden sind schlechtweg an selbstmörderische Rabatte jenseits der 30% gewohnt, was die blau-gelben Heimwerker an den Rand der Insolvenz gebracht hat. Bei den Kollegen von Youtailor wiederholt sich gerade die Geschichte: Anfangs mit Pauken, Trompeten und Riesenrabatten in den Markt („Hemd geschenkt“, „2-für-1“, „alles 29 EUR“) gestartet, schafft es der Online-Maßschneider nun nicht mehr, eine realistische Zahlungsbereitschaft bei seinen Kunden durchzusetzen. Auch hier führte das zum Absturz, diverse Insolvenzen inklusive. Dabei wurden laufende Bestellungen erst verschleppt, dann nicht auf den neuen Eigentümer übertragen und schließlich wiederwillig und nur sporadisch abgewickelt. Wer nach einem Jahr Wartezeit endlich das (nicht selten völlig verschnittene) Hemd geliefert bekam, gehörte schon zu den Gewinnern – Dutzende Kunden, die nicht so viel Glück hatten, haben sich allein hier im Blog beschwert.

Mittlerweile schien so etwas wie geordnetes Chaos bei Youtailor eingekehrt zu sein. Der Chef kümmerte sich persönlich um Kundenanliegen, der Kundenfrust ebbte langsam ab und es wurden zarte Optimierungen am Shop vorgenommen. Aber das leise schimmernde Licht am Ende des Tunnels hat anscheinend zu Übermut bei den Maßschneidern geführt, mit dem sie es (zum 3. Mal!) in den Blog geschafft haben: Innerhalb einer Woche knallte YT seinen Kunden stolze 4 Newsletter um die Ohren. Bei der Auswahl der Anlässe („Relevanzkriterien“) war man besonders kreativ:

  • 21. Mai: 20% Treuerabatt mit Gutscheincode „Treue20“
  • 24. Mai: 20% Treuerabatt mit Gutscheincode „Gold20“
  • 29. Mai: Verlängerung des 20% Rabatts und Gratis-Krawatte mit Gutscheincode „Sorry20“
  • 31. Mai: 22% Pokalrabatt und Gratis-Krawatte mit Gutscheincode „DFB22“

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Neue Parties bei der Ergo-Versicherung: Wir sind wieder nüchtern, das muss gefeiert werden!

In marketing, miscellaneous on 21/07/2011 at 18:34

In der Haut von Torsten Oletzky möchte man derzeit nicht stecken: Wie ein Feuerwehrmann, der mit einer Wasserpistole Waldbrände zu löschen versucht, hechelt Oletzky derzeit von einer Baustelle zur nächsten – immer dabei, den aktuell größten Schaden zu reparieren. Mal sind das Sexparties, mal Drückermethoden im Vertrieb, mal fehlerhafte Vorsorgeverträge: Herr Oletzky ist Chef der Ergo-Versicherungsgruppe.

Auch wenn er kein ausgewiesener Marketing-Guru ist, hat der promovierte Betriebswirt doch spürbar frischen Wind seit seinem Antritt 2007 in die Katakomben des zweitgrößten deutschen Versicherers geblasen. Wir Verbraucher bemerken das z.B. in der Zwangsverrentung der „Experten der Ergo-Versicherungsgruppe“, die uns allsamstäglich in lupenreiner Schrebergartenmanier den Sport im ZDF präsentiert haben. An deren Stelle sind andere gerückt: Schauspieler und Werbeprofis, denen die Agentur Aimaq&Stolle ein frisches Logo, emotionalere Spots und den neuen Claim „Versichern heißt verstehen“ zur Seite gestellt hat.

Ruhe ist nicht eingekehrt, denn tiefgreifende strategische Neuerungen (z.B. bei der „Drückerbande“ der HMI) blieben vielfach aus. Doch Ergo versucht den Wandel durch immerwährende Wiederholung der neuen Markenwerte Verständnis und Transparenz einzuschleifen. Gerade letzteres stößt bei vielen Kunden und deren Interessenvertretern besonders sauer auf. Erst kleckerten die Details der Budapester Sex-Affäre in homöopatischer Dosis an die Oberfläche, dann wurde wegen Verleumdung geklagt und Erpressungsversuche beschworen – Ziel der Übung: Ablenkung und Verschleierung. Oletzky selbst bezeichnet das fragwürdige Incentive-Programm für die Top-Vertriebler als „katastrophale Fehlentscheidung“ und gibt massive Fehler bei der Aufklärung zu: „Die Folge ist, dass durch das nicht vollständig korrekte Dementi zu Beginn unsere Glaubwürdigkeit weiter gelitten hat“. read on Den Rest des Beitrags lesen »

50% Einschaltquote aber keine Werbekunden: Warum das „Dschungelcamp“ ein Vermarktungsproblem hat

In marketing, medien on 27/01/2011 at 19:01

Seit zwei Wochen läuft mittlerweile die fünfte Staffel von „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ auf RTL. Wie schon im Jahr 2009 konnte die Ekel- und Angst-Show auch dieses Mal die Erwartungen übertreffen und hinsichtlich der Einschaltquoten noch einmal zulegen: Bis zu 8 Millionen Zuschauer pro Folge wollten sich krokodilpenisessende und in Kakerlaken badende C-Prominenz bereits ansehen – in der sogenannten werberelevanten Zielgruppe (14-49 Jahre) waren das in der Spitze rund 50%. Dennoch: Die Werbeblöcke bleiben mitunter so leer, wie der Magen von Katy „Walter“ Karrenbauer oder das Hirn von Modelaspirantin Sarah Dingsbums. Was die Zuschauer freut, enttäuscht die Macher der Show. Warum will niemand im Dschungelcamp werben?

Erbsensuppe beim Exorzisten

Eine zentrale Rolle spielt das Werbeumfeld. Die Leitmotive des Showkonzepts lauten Ekel und Angst. Das schränkt die Wahl der potentiellen Werbekunden schon einmal erheblich ein. Ein Beispiel: In den Siebzigerjahren sorgte „Der Exorzist“ zunächst in den Kinosälen, später auch in den Fernsehsesseln, für kalte Schauer. Die dürften auch den Mediaverantwortlichen bei Erasco über den Rücken gelaufen sein. Der Suppenhersteller bewarb sein Flagship-Produkt unmittelbar nach einer Szene, in der grüne Galle die Hauptrolle spielte:

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, dennoch dürfte nur den wenigsten Suppenliebhabern bei diesem Anblick das Wasser im Munde zusammengelaufen sein. Die Lehre, die Erasco (und andere) daraus zogen, lautete: Prüfe das Umfeld, in dem du wirbst. Zu groß die Gefahr eines Image-Transfers zwischen dem laufenden Film oder der laufenden Show auf die beworbene Marke (Stichwort: Spill-Over-Effekte). „Erasco? Ach ja, die mit dem Exorzisten…“ Fakt ist: „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ ist ein extrem polarisierendes Werbeumfeld, das anscheinend immer noch für Unbehagen bei den Mediaagenturen und Werbekunden sorgt. Mit dem Verzehr von Kotzfrucht, Fischaugen und Krokodilpenis in der ersten Show dürften beispielsweise alle Lebensmittel- und Getränkehersteller ihre Werbeanfragen zurückgezogen haben. Gleiches gilt vermutlich für Anbieter aus den Bereichen Beauty und Kosmetik. Dass sich gerade hierdurch die Möglichkeit eines kreativ gestalteten und platzierten Spots in einem konkurrenzfreien Umfeld ergibt, sei hier nur am Rande erwähnt. Eindampfen lässt sich die Einstellung der Werbekunden also anscheinend auf ein simples: „Klasse statt Masse“, bzw. „Reichweiten sind nicht alles“. klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

Diebstahl: Adidas gibt seinen Kunden Rätsel auf

In marketing on 10/01/2011 at 19:06

Ein geheimnisvoller viraler Spot kursiert seit neuestem im Netz und verwirrt Markenfans von Adidas. Darin bricht ein Dieb (oder eine Diebin?) in die Firmenzentrale in Herzogenaurach ein und entwendet – begleitet von hektischer Kopfkamera im Blairwitch-Style – die Adizero-Schuhe internationaler Topstars wie Lionel Messi, Jo-Wilfried Tsonga oder Derrick Rose:

Nur eine Minute später folgt die Aufforderung: „Find them fast!“ Cut, aus, vorbei. Kein Logo, keine Website, keine Hinweise. Seit heute lanciert Adidas jedoch im Internet erste Hinweise über den Verbleib der heiligen Treter. Neben den Marken und Kampagnenkanälen bei Youtube, Twitter und Facebook nutzt der Sportartikelhersteller dafür auch die nationalen und globalen Medienpartner Goal.com, Herald Sun und Athletics Weekly.

User, die den Hinweisen erfolgreich folgen und die Schuhe an ihrem virtuellen Versteck als erste ausfindig machen, können Sie den Sportlern persönlich zurückgeben – das ist der Clou der Geschichte: Im Rahmen internationaler PR-Events in Barcelona, London, Melbourne (u.a.) verschwindet die Grenze zwischen digitaler und realer Schatzsuche und schafft unmittelbare Interaktion. Im Ergebnis erscheinen virtuelle Marketing-Akzente aus Herzogenaurach anziehender und erzeugen ein stärkeres Involvement. Um der Kurzfristigkeit und Schnelllebigkeit des Mediums Rechnung zu tragen, sollen die Meetings mit den Stars noch im Verlauf dieser Woche stattfinden.

Die Kampagne baut auf der aktiven und unmittelbaren Beteiligung der User und Sportler auf: Durch jeden Re-Tweet, durch jedes Klicken auf den Like-Button und jede versendete Mail machen sich die Teilnehmer zum Teil der Kampagne und verleihen ihr den viralen Charakter, der der wirkungslosen Verpuffung der Bemühungen vorbeugt.

Damit folgt Adidas stringent der zur WM2010 eingesetzten Strategie, die Zielgruppenansprache vollends auf das Medium Internet zu konzentrieren und sich aus dem TV-Werbegeschäft weitestgehend zurückzuziehen. Die kommunikative Kernzielgruppe wird damit nochmal verjüngt und liegt damit laut Markenchef Erich Stamminger bei gerade einmal 14-19 Jahren.

Marketing-Manager des Jahres 2010: Thilo Sarazzin

In marketing, medien on 04/01/2011 at 20:04

Wann ziehen von Kanzlerin bis Zentralrat, von Grün bis Schwarz, von Links bis Rechts alle an einem Strang? Selten, sehr selten. Im vergangenen Jahr 2010 war dies jedoch einmal der Fall: Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ befanden Politiker aller Couleurs als „bemerkenswert“. Während manche ihm einen Eintritt in die NPD nahelegten, oder ihn (wie Cem Ödzdemir) als „Stammesfürsten nach dem Geschmack von Bin Laden“ bezeichneten, echauffierten sich andere über die geheuchelte Aufregung und dankten Sarrazin für die Aussprache „unangenehmer Wahrheiten“. Auch die Kanzlerin als Nachlassverwalterin einer ehemaligen Volkspartei zeigte sich „not amused“.

Die Politik hat damit eine Diskussion angestoßen, bzw. folgt der weitläufigen Meinung, die Äußerungen unseres ehemals obersten Bankers seien durchaus diskutabel. Deutlich wird das – neben den Leserkommentarspalten der einschlägigen Klatschblätter – insbesondere an den Verkaufslisten des deutschen Buchhandels. Mit über 1,2mio verkauften Exemplaren und nunmehr 16 Auflagen steht „Deutschland schafft sich ab“ unangefochten auf Platz eins. Das erfolgreichste Buch 2010 ist zugleich das erfolgreichste Sachbuch aller Zeiten. Der Weg zu diesem Ziel ist zugleich der Grund, warum sich Stenographique der Causa Thilo annimmt: Es ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte ausgebuffter PR-Arbeit.

Spätestens seit Eva Herrmann ist bei den deutschen Leitmedien angekommen, dass provokante Thesen – umgarnt von seichter Distanzierung – Quote bringen. So kam es, dass die Springer-Blätter „Bild“ und „Spiegel“ vorab seitenweise Auszüge aus einem Buch druckten, von dessen Thesen sie stets inhaltlich abrückten. Mal mehr (Spiegel), mal weniger (Bild). Ein kluger Schachzug der Marketing-Experten von Sarrazins Verlag DVA: Ein halbexklusiver Vorabdruck gegen die monatewährende kostenlose und subtile Buchung der besten Werbeplätze in den reichweitenstärksten Print- und Onlinemedien der Republik.

Um einmal eine Vorstellung zu vermitteln: Eine (nur eine einzige!) Seite im Spiegel kostet im Durchschnitt… nicht 10.000, nicht 20.000 sondern 58.973 EUR (hier die aktuelle Preisliste zum Download). Der Spiegel hat davon rund 20 ausschließlich mit den vorab veröffentlichten Auszügen gefüllt – entspricht einem Mediawert von 1.179.460 EUR. klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

weihnachtsgeschichte reloaded – joseph und maria im web 2.0

In marketing on 19/12/2010 at 20:16

gerade erst ein paar tage online und schon hat sich die neuinterpretation der biblischen weihnachtsgeschichte zu DEM video der vorweihnachtszeit gemausert. zeit also, auch hier ein bisschen besinnlichkeit und besinnung einkehren zu lassen – ganz web-zwo-nullig, versteht sich.

es ist schon ein kleines meisterwerk, was die portugiesische agentur „excentric“ da mit dem clip „the story of nativity“ gezaubert hat: modern, charmant, geradezu herzerweichend wird die geschichte von jesu geburt erzählt – und bleibt dabei knallhart an den biblischen fakten. die ressourcen der modernen informationsbeschaffung von maria und joseph lesen sich dabei wie das state-of-the-art-book des web 2.0: twitter, youtube, facebook, google maps, fourqsuare – alles dabei.

ebenso die heiligen drei könige, die sich gegenseitig per mail beim brainstormen unterstützen und dann bei amazon einkaufen, was man einem neugeborenen so schenkt: kamele, gold, weihrauch und den anderen kram, von dem die bibel berichtet.

fazit: die agentur hat sich damit das bestmögliche bewerbungsschreiben für neugeschäft im kommenden jahr selbst ausgestellt – modern, herzlich, klar in der aussage. obendrein macht die website, die auf der lissaboner kulisse im jahr 2060 basiert, auch noch einiges her und ist definitiv einen klick wert!

erst WM, jetzt barcelona: katar mischt die fussballwelt auf

In marketing, medien on 13/12/2010 at 20:47

ein kleines wüstenland wirbelt momentan viel staub auf in der fussball-welt… erst letzte woche wurde die vergabe der fifa-wm 2022 an katar bekanntgegeben, was vielerorts stirnrunzeln und hirngrübeln verursacht hatte. jetzt legen die kataresen nach: eine gemeinnützige stiftung des wüstenstaats wirbt noch ab diesem jahr auf der brust des besten fussballvereins der welt – dem fc barcelona.

dessen brust kam seit gründung des clubs vor 111 jahren ohne einen kommerziellen trikot-sponsor aus. zuletzt trugen die katalanen unentgeltlich das emblem des kinderhilfswerks unicef  – millionenspende an die UN-organisation inklusive. doch anscheinend konnte barcelonas finanzchef javier faus dem rekorddeal mit der katar foundation nicht widerstehen: mindestens 165 millionen euro fließen bis 2016 von katar an die spanische mittelmeerküste. 30 millionen im jahr. das übersteigt selbst den vertrag, den der fc bayern münchen mit t-mobile ausgehandelt hat – bisher mit 25-27 millionen jährlich alleiniger rekordhalter.

die deutschen leitmedien reagieren überwiegend vorwurfsvoll, teilweise sogar mit empörung: „barcelona verkauft sich an katar“ titeln beispielsweise unisono die zeit, welt, horizont und SAZ. die sportbild formuliert dieselbe aussage immerhin noch als frage. aber ist es so einfach?

zunächst einmal: barcelona drückt ein gewaltiger schuldenberg von 430 millionen euro. wer einen derart hochdotierten vertrag ohne reifliche überlegung ausschlägt, kann guten gewissens als wahnsinnig erklärt werden. auf der anderen seite lebt der verein auch mehr als jeder andere vom mythos FCB – „més que un club“ eben. ähnlich wie bei einer idealistisch positionierten luxusgütermarke kann ein schwenk in die schraubzwingengleichen arme des bösen kapitalismus die marke nachhaltig schädigen und den mythos zerstören.

diese erkenntnis ist anscheinend auch bei den managern des clubs angekommen. so überrascht es wenig, dass der erste und bisher einzige eingekaufte werber auf der brust der katalanen eine non-profit-organisation ist, die (zumindest laut selbstauskunft) ähnlich edle ziele verfolgt, wie der derzeitige platzhirsch unicef. der fokus der 1995 gegründeten stiftung liegt demnach auf der förderung von ausbildung und wissenschaftlicher forschung. doch auch das hilfswerk der vereinten nationen soll nicht völlig vom trikot verschwinden. wo und wie die beiden logos platziert werden sollen, wurde bisher jedoch nicht bekannt gegeben. klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

enthüllungen über zuckerberg – kurz vor kinostart von „the social network“

In medien on 20/09/2010 at 15:43

17 tage wird es noch dauern: 17 tage, bis wir wissen, worüber bisher strengstes stillschweigen bewahrt wird. 17 tage, bis „the social network“ in die kinos kommt… das klingt wie die leidliche vorankündigung eines mit rasierwasser bestochenen moderators aus dem nachmittagsprogramm. allerdings stellt sich bei mir momentan tatsächlich eine gewisse freudige anspannung ein, wenn ich an den kinostart des gerüchteumwobenen facebook-films denke. der grund: neue fakten zur handlung.

der stoff böte reichlich pathetischen stoff für einen patriotischen doku-thriller vor der wehenden stars-and-stripes-flagge. schüchterner student fliegt von der uni, aus der not und einsamkeit heraus bastelt er eine internetseite, die sich in windeseile zu einem milliardenschweren unternehmen aufschwingt. amerika zeigt sich einmal mehr von seiner schokoladenseite, das land der unbegrenzten möglichkeiten, yes we can!

doch spätestens jetzt ist klar, dass „the social network“ nicht die verfilmung eines modernen amerikanischen märchens ist. anscheinend spart der trailer – obwohl schon mit reichlich negativen andeutungen gespickt – einige der ganz pikanten szenen aus. so hat sich bereits vor einigen wochen die sunday times über das von höchster stelle verordnete schweigegelübde hinweggesetzt und die handlung der eingangsszene detailliert beschrieben, die in einer bar auf dem harvard-campus spielt, in der sich mark zuckerberg mit seiner freundin erica unterhält und von ihr folgendes gesagt bekommt (übersetzung von mir):

„du läufst durchs leben und glaubst, die mädchen mögen dich nicht, weil du ein technik-geek bist. aber ich will dir aus tiefstem herzen sagen, dass das nicht wahr ist. sie werden dich nicht mögen, weil du ein arschloch bist.“

soweit so schlecht. für zuckerberg – damals wie heute, und für seine fans. für alle, die sich endlich aufklärung über die verworrenen ersten monate von facebook versprochen hatten, wird jedoch klar:  in diesem film wird keine zeit verloren. es geht zu sache. klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

the mégane experiment – renault bringt „joie de vivre“ nach england

In marketing on 08/08/2010 at 14:03

nach knapp zwei wochen schmerzhafter abstinenz, meldet sich stengraphique zurück. auslöser ist ein neuer und faszinierender ambient marketing-ansatz von renault in großbritannien – kein leichtes pflaster für die franzosen mit ihren extravagenten karosseriedesigns. aber: man hat sich genau dieser alten klischees bedient und versucht nun, lebensfreude und lebensart in ein tristes städtchen im westen englands zu bringen. zu diesem zweck reist „claude“ von der französischen mittelmeerküste nach gisburn in lancashire. wie in einem ort mit 506 einwohnern nicht unbedingt anders zu erwarten war, steht gisburn stellvertretend für das image, das die franzosen vom ehemaligen erbfeind haben: langweilig, humorlos, grau, abweisend.

um den neuen mégane zu promoten, macht sich renault in person von claude auf, diesen zustand zu ändern. claude reist als charmanter marktforscher nach england, um eine interessante these zu prüfen: korreliert die anzahl von méganes positiv mit der fertilität einer stadt? oder anders formuliert: can a car change a town?

claude geht auf umwerfend direkte und entlarvende weise auf tuchfühlung mit den alternden bewohnern von gisburn, spricht mit schulkindern, veranstaltet ein „festival of joy“ und bietet sich und seinen renault verzweifelt für probefahrten an. obwohl sein ansatz die wenig soziale britische lebensart lächerlich macht und ihr ein französisches make-up auferlegt, kommt man auch in england nicht umhin, claude zu mögen und bei seiner scheinbar aussichtslosen mission mitzufühlen. klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

russland: fliegender esel als tourismus-marketing

In marketing on 26/07/2010 at 21:43

das treiben der werbe- und marketingfachleute nimmt mitunter bizarre formen an. in dieser hinsicht stechen gerade out-of-home-formate häufig hervor, die versuchen, mit schock /thrill /entrüstung zu punkten. dabei konfrontieren sie menschen auf diese weise auch mit den niederträchtigen wirrungen der psyche des „homo sapiens“. bei solchen werbeaktionen bleibt eigentlich nur noch „homo“ übrig, eine physiognomisch dem modernen menschen ähnliche lebensform. von „sapiens“ (=wissend, aufgeklärt, entwickelt) oft weit und breit keine spur mehr.

lange rede – kurzer sinn: es geht um einen ganz konkreten fall, der sich letzte woche in südrussland ereignet hat. mittlerweile kann man nach 20 jahren marktwirtschaft nicht mehr behaupten, dass dort der kapitalismus seine ersten gehversuche unternähme. für modernes out-of-home-advertising scheint das aber zu gelten. was war passiert?

azov ist eine südrussische provinzstadt mit rund 80.000 einwohnern am schwarzen meer. obwohl die stadt in einigen ex-UDSSR-staaten schon als urlaubs-geheimtipp gilt, lässt der finanziell hochinteressante massentourismus noch auf sich warten. um diesen zustand zu verändern, hat sich ein kleines funsport-unternehmen eine marketing-„kampagne“ ausgedacht, mit der die vorzüge des unternehmens und der region als wassersport-mekka gepriesen werden sollen. doch das budget war knapp und man musste zu radikalen mitteln greifen…

heraus gekommen ist: ein esel im para-sailer. was fast zu absurd klingt, um es glauben zu können, ist (wie es sich für eine virale aktion gehört) mit verwackelter videokamera festgehalten und bei youtube verfügbar. hier der clip, soviel voyeurismus ist erlaubt:

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