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Posts Tagged ‘werbung’

Mysteriöse Experten in der Werbung: Wer ist Prof. Schlieper?

In meinungen on 07/02/2014 at 20:33
Jeden Morgen teilt nur ein einziger Mensch den vielleicht intimsten Moment des Tages mit mir: Nicht die Freundin, nicht der Sohn – sondern Prof. Dr. P. Schlieper lächelt mich tagtäglich unter der Dusche an. Vom Duschgel-Etikett herunter. In seinem weißen Kittel. Mit dem Namensschild, auf dem etwas steht wie „Prof. Dr. P. Schlieper, Experte“. Aber wer ist der charmante Mittsechziger?

 

Auch morgens immer gute drauf: Der mysteriöse Prof. Dr. P. Schlieper

Auch morgens immer gut drauf: Der mysteriöse Prof. Dr. P. Schlieper

Nachdem wir dutzende verhältnismäßig ereignisarme Morgen miteinander verbracht haben – immer Auge in Auge – kam zwangsläufig irgendwann der Punkt, an dem die Beziehung vertieft und mehr über den sympatischen Weißkittel in Erfahrung gebracht werden musste. Also los, Google wird’s schon wissen! Die ersten Treffer verraten, dass Prof. Schlieper Pharmakologe und Berater der Salthouse-Forschung ist. Salthouse wiederum stellt Pflege- und Kosmetikprodukte auf Basis von „Totes Meer Salz“ her, die von Murnauer vertrieben werden – so auch mein Duschgel.

Salthouse, auf deren Unternehmensseite P. Schlieper sogar einen eigenen Navigationspunkt bekommen hat, verrät weiter, dass der Experte eine Lehrtätigkeit an der Uni Düsseldorf ausübt und mehrfach Gastprofessor in Südamerika war. Daneben viel Blasen und Schaum: „…hoch angesehen… Experte in… mit seiner Expertise… hohe fachliche Kompetenz…“ Kurzum: Ein Lebenslauf aus dem Bilderbuch.

All das klingt verheißungsvoll und so versuche ich mehr über Lehre und Forschung von Prof. Schlieper herauszufinden. Erste Anlaufstelle: Die Uni Düsseldorf, wo er der Salthouse-Seite zufolge eine Lehrtätigkeit ausübt. Es finden sich Dr. Daniel Schlieper (Biochemische Pflanzenphysiologie), Dr. Dr. Jörg W. Schlieper (mittlerweile Zahnarzt in Hamburg) und Dr. Henkrik Schlieper (Französische Literaturwissenschaft). Keiner davon hat einen Vornamen, der mit „P“ beginnt, keiner ist Pharmakologe. Etwas verwirrt nehme ich Kontakt zur Pharmazie an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität auf. Eine Woche später gibt es immer noch keine Antwort aus dem Sekretariat. Ist die Anfrage nicht wichtig genug? Die Ansprechpartnerin im Urlaub? Oder hat hier auch noch nie jemand von Prof. Dr. P. Schlieper gehört?! read on Den Rest des Beitrags lesen »

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iPad Fake Ad – Kreative Werbung auf mobilen Endgeräten

In marketing on 17/08/2012 at 15:05

Facebook tut sich schwer in diesen Tagen: Nicht nur, dass der Aktienkurs nach der Schwemme frisch handelbarer Anteile den Klickzahlen von StudiVZ nacheifert, auch die jüngsten Quartalszahlen waren alles andere als rosig. Neben Steuernachzahlungen und die Mitarbeiterentlohnung mit Aktien gibt es dafür vor allem einen Grund: Die Nutzung von Facebook über mobile Endgeräte nimmt rasant zu – und damit der Anteil der Sessions, die von Anzeigen kaum erreicht werden können.

Genau diese kontextsensitiven Anzeigen in den Profilen der Nutzer steuern jedoch den Löwenanteil zum Umsatz des weltgrößten sozialen Netzwerks bei. Lösungen für die Integration von Werbung in die mobilen Dienste sind daher für Facebook absolut erfolgskritisch und überlebensnotwendig. Bislang wird mobile Werbung in Facebook überwiegend als Abbinder bzw. Banderole eingesteuert – und hat damit ungefähr den Charme früher Display-Ads im Internet der 90er Jahre.

In Brasilien hat man etwas dagegen! Konkret: Der BBDO-Ableger aus São Paulo. Für die KFZ-Versicherung Bradesco Seguros wurde eine Werbeform für mobile Endgeräte entwickelt, die der Nutzer nicht umgehen kann und die er dennoch lieben wird:

Während der Nutzer durch die iPad-Ausgabe einer Autozeitschrift blättert, wird zwischendurch eine Anzeige eingeblendet, die er – wie gewohnt – mit einem Fingerwisch überblättern will. Was dann passiert trifft ihn völlig unvorbereitet: Nicht die Seite schlägt um, sondern das Auto im Mittelpunkt der Anzeige nimmt Fahrt auf. Und fährt direkt in eine Mauer! Totalschaden. Aus dem Nichts.

Damit deckt sich die Darstellung zu 100% mit der Botschaft der Werbung: Unerwartete Dinge passieren ohne Vorwarnung („Unexpected events happen without warning“). Es wird also dringend Zeit für eine Autoversicherung („Make a Bradesco car insurance plan“). Die Idee und die Umsetzung sind so gut, dass wir sicherlich nicht lange auf Nachahmer warten müssen – bleibt zu hoffen, dass dieser charmante Ansatz nicht mit billigen Hau-Ruck-Kopien der werbetreibenden Industrie entzaubert wird.

Not amused: ESPRIT reagiert stark auf Ramsch-Aktion bei KiK

In marketing on 17/05/2012 at 10:40

Das Social-Media-Team von Esprit hatte in den letzten beiden Tagen alle Hände voll zu tun. Ausnahmsweise musste man sich nicht mit teilweise abstrusen Vorwürfen von Tierversuchen, Kinderarbeit oder Dunpingpreisen beim Rohstoffeinkauf auseinandersetzen, sondern das eigene Markenimage retten. Hintergrund: Am 15.5. gab der Textil-Diskont KiK ganz im Stile seines aktuellen Claims („Besser als wie man denkt!“) über die Bild-Zeitung bekannt, dass man nun auch Kleidung großer Marken verkaufen möchte. Um den Link dorthin zu sparen, hier ein Zitat aus der Textilwirtschaft:

Kik hat seine Sortiments-Strategie geändert und bietet als Sonderposten ab sofort auch Markenware an. Der Textil-Discounter beginnt mit Ware von Esprit, die am Mittwoch bundesweit in die Läden kommen wird. […] Angeboten werden unter anderem Jeans, Cargo-Hosen, Blusen, Hemden, Tops und T-Shirts zum Preis ab 7,99 Euro.

Eineinhalb Tage ließ man in Ratingen die entsetzten Kunden und Markenfans allein, die wilde Verschwörungstheorien und Schlachtgesänge anstimmten. „also heute dachte ich wir fallen vom glauben ab, das ist doch wohl der oooooberhammer….esprit gibt es bei kik, das ist net zufassen“, war noch eines der harmloseren Statements. Andere gingen weiter und beschworen kurzum das Ende herauf: „esprit wird untergehen.“ Gestern abend dann endlich eine Stellungnahme auf der Facebook-Seite von Esprit:

Die jüngste Aktion von KiK hat bei euch vielleicht schon für Irritation gesorgt. Hinter den Esprit Produkten, die bei dem Textil-Diskont ab sofort angeboten werden, können wir nicht zu 100% mit unserem Namen stehen.

Davon abgesehen, dass „vielleicht“ und „Irritation“ angesichts der erbosten Kommentare unverschämt tief gestapelte Einschätzungen sind, trug der erste Teil der Meldung leider nicht vollends zur Beruhigung bei. Wenn ein Hersteller nicht mehr 100%ig hinter seinen Produkten stehen kann, weckt das nicht unbedingt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten als Textilexperte. Die Textilwirtschaft hatte zur Herkunft der Ware auch bereits eine Vermutung:

Woher die Ware stammt, hat Kik nicht preisgegeben. Mit Esprit in Ratingen habe man jedenfalls nicht verhandelt. Für mögliche juristische Schritte von Esprit hat Kik sich eigenen Angaben zufolge gewappnet.

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Kreativität vs. Kommerz: Adbusting erobert die Innenstädte

In marketing on 12/02/2012 at 16:58

An Ampeln montiert, von Brücken hängend, auf Bushäuschen geklebt – Outdoorwerbung prägt zunehmend das Gesicht unserer Innenstädte. Rund 6.000 Mal am Tag kommt jeder von uns im Durchschnitt mit Werbung in Kontakt, hat das Institut für Marketing und Kommunikation ausgerechnet. 6.000 Stimuli, die auf unser Gehirn einprasseln und sich zu einem bunten Rauschen vereinen, in dem jeder leise Ton und jede versteckte Schönheit gnadenlos untergeht.

Wenn sie wenigstens kreativ, lustig oder ästhetisch wäre… Doch die meisten werbetreibenden Unternehmen setzen bei der Outdoor-Werbung (auch: Out-of-Home-Media) schlicht auf Reichweite in allerfeinster Holzhammer-Manier und brüllen uns mit abstrus-sinnbefreiten Plakaten auf Schritt und Tritt an („Jetzt NEU! Jetzt KAUFEN“). Doch wie bei jeder Entwicklung gibt es auch bei der Außenwerbung einen Tipping-Point, ab dem das Ausmaß der visuellen Beschallung als unerträglich wahrgenommen wird und sich eine Gegenbewegung formiert: Adbusting.

Die Wortzusammensetzung  aus „Advertising“ (Werbung) und „to bust“ (Kaputtmachen) bezeichnet die große Grauzone zwischen Straßenkunst und Sachbeschädigung, bei der jegliche Form von Außenwerbung verändert und uminterpretiert wird – in der Regel mit erhobenem Zeigefinger, moralischer Ohrfeige oder demaskierender Geste und einer guten Portion Kreativität. Adbuster verwenden die Waffen der werbetreibenden Unternehmen, richten sie gegen sie und versuchen mit minimalen Mitteln und maximaler Effizienz auf Werbelügen oder Missstände entlang der Produktionskette hinzuweisen. Ein paar aktuelle Beispiele:

Mit der aktuellen „Maybe“-Kampagne für Malboro hat uns die Agentur Leo Burnett aus Frankfurt lange mit weißen Plakaten angeteasert, auf denen nichts als „Maybe“ stand. Nach der Auflösung folgten verschiedene Motive mit erhellenden Eventualitäten wie „MAYBE will never be her own boss“ oder „MAYBE goes nowhere“. Eine leicht zu kopierende Schrift, ein modularer Aufbau der Kampagne und ein nicht unumstrittenes Produkt – die Plakate schrien ja geradezu nach Adbusting. Volkes Stimme tut nun kund: „Maybe you should go fuck yourself“ und legt den Finger genau in die Wunde der auflagengebeutelten Kippenkönige. Das ist kreativ, das leuchtet ein, das amüsiert – ein Paradebeispiel für gelungenes Adbusting.

Weitaus weniger politisch, dafür mindestens so humorvoll wie das Malboro-Exempel ist diese Adbusting-Aktion des Berliners MrGoldkralle, der sich angesichts der klirrenden „Russenkälte“ spontan erbarmt und den barbusigen Pornodarstellerinen, die für die XXX-Videothek um’s Eck werben, warme Pullover angezogen hat. read on Den Rest des Beitrags lesen »

web.de Speichererweiterung – Goldesel mit großer Geste

In meinungen on 19/12/2011 at 21:34

Als ich gerade mein web.de-Postfach öffnete und sich eine offizielle Meldung von ebendiesem Kundenservice vor den Posteingang drängelte, dachte ich zuerst an die zwölftausendsiebzehnte Aufforderung mich doch bitte dem web.de-Club anzuschließen. Das hatte ich vor Jahren schon einmal testweise getan und bereue es zutiefst: Wer wirklich einsam ist, sollte sich dort anmelden – so viel Post habe ich Zeit meines digitalen Lebens nicht bekommen!

Nachdem ich den Text einmal quergelesen hatte und dauernd die Wörter „Speichererweiterung“ und „500mb“ auftauchten, war allerdings schnell klar, dass es sich um eine Phishing-Mail handeln musste, die mich wieder auf Gewinnspiel-Porno-Wetten-Geldverdiener-Websites locken will, wo ich meine PC-Gesundheit unwissentlich gegen die vermeintliche Chance auf ein iPhone 4 aus Steve Jobs persönlichem Nachlass tauschen soll. Speichererweiterung bei web.de?! Nichts hätte absurder erscheinen können… Es war bestimmt noch in den 90ern, als ich hier mein erstes Postfach eröffnete und mich ab sofort stolz zur digitalen Bohème zählte. Damals waren 12mb Speicherplatz eine Menge – zumindest in Disketten-Kapazität oder WordPad-Seiten gerechnet. Gefühlte Erdzeitalter später steigt mindestens einmal täglich der Wut-Frust in mir hoch, wenn der web.de-Admin wieder verkündet, dass mein Speicherplatz schon wieder auf dem letzten Loch pfeift. Sogar väterliche Mails mit lustigen Clips von sprechenden Katzen oder verbannten Werbespots musste ich zwischenzeitlich ablehnen.

Folgendes hatte der Admin dieses Mal zu sagen:

Sehr geehrter Herr Philipp,

der Speicher Ihres WEB.DE Postfachs wird ab sofort von 12 MB auf 500 MB erweitert. Das bedeutet 40 mal mehr Platz für Ihre E-Mails.
Zur Aktivierung des zusätzlichen E-Mail-Speichers, benötigen Sie eine Programmerweiterung, die Sie hier kostenlos und ohne Verpflichtungen herunterladen können. Bitte klicken Sie auf „Aktivieren“, um Ihr Postfach von 12 MB auf 500 MB kostenlos zu erweitern und die nötige Programmerweiterung zu installieren.
Unsere Garantie: Die Erweiterung des E-Mail-Speicherplatzes ist für Sie dauerhaft kostenlos – kein Abo, keine verstecken Kosten.

Ihre WEB.DE Kundenbetreuung

Minutenlanges Kopfschütteln und Schimpfen auf die Virensoftware später, kann „Herr Philipp“ es immer noch nicht glauben: web.de schenkt mir mehr Speicherplatz! Ungefragt! Kostenlos! Mit Garantie! Einfach so! read on Den Rest des Beitrags lesen »

Neue Parties bei der Ergo-Versicherung: Wir sind wieder nüchtern, das muss gefeiert werden!

In marketing, miscellaneous on 21/07/2011 at 18:34

In der Haut von Torsten Oletzky möchte man derzeit nicht stecken: Wie ein Feuerwehrmann, der mit einer Wasserpistole Waldbrände zu löschen versucht, hechelt Oletzky derzeit von einer Baustelle zur nächsten – immer dabei, den aktuell größten Schaden zu reparieren. Mal sind das Sexparties, mal Drückermethoden im Vertrieb, mal fehlerhafte Vorsorgeverträge: Herr Oletzky ist Chef der Ergo-Versicherungsgruppe.

Auch wenn er kein ausgewiesener Marketing-Guru ist, hat der promovierte Betriebswirt doch spürbar frischen Wind seit seinem Antritt 2007 in die Katakomben des zweitgrößten deutschen Versicherers geblasen. Wir Verbraucher bemerken das z.B. in der Zwangsverrentung der „Experten der Ergo-Versicherungsgruppe“, die uns allsamstäglich in lupenreiner Schrebergartenmanier den Sport im ZDF präsentiert haben. An deren Stelle sind andere gerückt: Schauspieler und Werbeprofis, denen die Agentur Aimaq&Stolle ein frisches Logo, emotionalere Spots und den neuen Claim „Versichern heißt verstehen“ zur Seite gestellt hat.

Ruhe ist nicht eingekehrt, denn tiefgreifende strategische Neuerungen (z.B. bei der „Drückerbande“ der HMI) blieben vielfach aus. Doch Ergo versucht den Wandel durch immerwährende Wiederholung der neuen Markenwerte Verständnis und Transparenz einzuschleifen. Gerade letzteres stößt bei vielen Kunden und deren Interessenvertretern besonders sauer auf. Erst kleckerten die Details der Budapester Sex-Affäre in homöopatischer Dosis an die Oberfläche, dann wurde wegen Verleumdung geklagt und Erpressungsversuche beschworen – Ziel der Übung: Ablenkung und Verschleierung. Oletzky selbst bezeichnet das fragwürdige Incentive-Programm für die Top-Vertriebler als „katastrophale Fehlentscheidung“ und gibt massive Fehler bei der Aufklärung zu: „Die Folge ist, dass durch das nicht vollständig korrekte Dementi zu Beginn unsere Glaubwürdigkeit weiter gelitten hat“. read on Den Rest des Beitrags lesen »

Sparkassen-TV zur Prime-Time: Die Dauerwerbesendung „17 Meter“

In marketing, medien on 12/06/2011 at 12:02

Kindsköpfe auf großer Fahrt: Gestern Abend durften sich die beiden ewig pubertierenden MTV-Allzweckwaffen Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt tatsächlich einem breiten Publikum auf Pro7 präsentieren. Mitgebracht hatten sie eine Show, die nur auf den ersten Blick aus den besten Elementen von Jackass, Schlag den Raab, Wetten-Dass und dem Tigerentenclub zusammengeklaut war. Die schlimme Vermutung: Sie stammt in Wahrheit aus der Feder der Sparkassen-Werbeagentur „Jung von Matt/Spree“!

Die Berliner Agentur setzt derzeit neue Maßstäbe in der Kategorie „360°-Werbekampagnen“: Integrierte Werbeformen mit Print, TV-Spots und Radio sind mittlerweile ein alter Hut. Bei etwas hipperen Aktionen kommen noch virale Spots und ein bisschen Crowdsourcing dazu. Was es aber noch nie (ohne eine störende „Dauerwerbesendung“-Einblendung) gab: Eine TV-Show zur Prime-Time auf dem beliebtesten Sender der Zielgruppe 14-29 ganz im Stile der laufenden Werbekampagne. Klingt aberwitzig und verschwörerisch? Die Fakten sprechen für sich:

  • Das Moderatorenteam: Die Beavis und Butt-Heads des deutschen Fernsehens wurden aufgrund Ihrer beißenden Rhetorik und ihrem pubertären Witz sowohl von der Sparkasse als auch von Pro7 eingekauft – zeitgleich!
  • Die Zielgruppenansprache: Joko und Klaas sorgen für die Sparkassen-Banking-Apps („Giro sucht Hero“) und die Pro7-Show „17 Meter“ für Lacher, bei denen sich 15jährige die Baggypants vollpieseln dürften. Respektlos, mit Siebtklässler-Humor und Dauergrinsen sind sie derzeit DIE Vorbilder der Smartphone-Generation. Das passt gut bei Pro7, das passt gut bei der Sparkasse!
  • Das Showkonzept: Einst ersonnen von den Machern des Tigerentenclubs hat es das 2-Moderatoren-2-Teams-Prinzip jetzt auch in die „Giro-sucht-Hero“-Kampagne der Sparkasse und die neue Prime-Time-Hoffnung von Pro7 geschafft. Joko ist Dortmund, Klaas ist Schalke. Wer gewinnt mit seinem Team die „17 Meter“? Auge um Auge, Maus gegen Maus.
  • Der Farbcode: Pommes, Sparkasse, 17 Meter – rot und weiß sind deine Farben. Bei jeder Gelegenheit wurde gestern der Sendesaal in die Sparkassen-Farben getaucht. Wenn’s um’s Geld geht – 17 Meter!
  • Die Werbeblöcke: In den kurzen Pausen auf den Gipfeln der Spannungskurven (sic!) der Show, wurden die gespannten Zuschauer keineswegs für einen kurzen Moment von den moderierenden Bankangestellten befreit, im Gegenteil: weiterlesen Den Rest des Beitrags lesen »

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Netto und die irreführende Werbung

In marketing on 04/06/2011 at 10:29

Auch bei schönstem Wetter und angehender Tiefenentspannung lässt der Werbeterror einschlägiger Lebensmitteldiscounter die mündigen Verbraucher nicht in Ruhe: Bei Kaffee und Croissant waberte eben ein Radio-Spot von „Netto“, unserem geliebten Markendiscount, auf NDR2 durch den Äther. Folgende Story:

(Zwiegespräch eines Pärchens) Sie: Wo gehst du denn hin? Er: Zu Netto, deutsche Äpfel kaufen. Sie: Und wofür brauchst du dann die Leiter? Er: Die deutschen Äpfel bei Netto sind so frisch, dass sie bestimmt noch am Baum hängen! Sprecher aus dem Off: Produkt, Preis, Laden, aus.

Über den Unterhaltungswert von Lebensmittelwerbung kann man bekanntlich streiten. Real und Edeka haben hier zwar vor einiger Zeit angezogen, die Discounter tanzen dagegen weiter Niveau-Limbo. Netto geht allerdings über eine bescheidene Idee und eine stümperliche Umsetzung weit hinaus und traut sich in die Sphäre der Verbrauchertäuschung.

So steht im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) in §5, dass ein Händler korrekte Angaben hinsichtlich der Herkunft und Beschaffenheit seiner Produkte machen muss. Bei Netto bedeutet das gemäß des Gesprächs der beiden Protagonisten im Radiospot: Herkunft = Deutschland, Beschaffenheit = frisch. Auszugehen sei bei der Bewertung einer möglichen Irreführung von Verbrauchern von einem mittelmäßig informierten und mittelmäßig aufmerksamen Zuhörer. Ich bin mir nicht sicher, ob es eine lebensmittelrechtliche Definition von „frisch“ im Zusammehang mit Äpfeln gibt, für mich ist aber klar, dass der beschriebene Verbraucher darunter „frisch geernet“ verstehen muss.

Fruitaner, Biologen und Obstbauern wissen längst, worauf ich hinaus will: Die Angaben „frisch“ und „deutsch“ schließen sich bei einem Radiospot zur Apfelernte zu diesem Zeitpunkt (Anfang Juni) definitiv gegenseitig aus. Entweder ist ein Apfel frisch geerntet, dann kommt er aus Israel, Nordafrika oder sonstwoher. Oder ein Apfel ist deutscher Herkunft, dann hat er selbst bei den frühesten Sorten (siehe: Sommeräpfel) derzeit die Größe einer Rosine – der Mann aus dem Netto-Spot wäre sicherlich enttäuscht, wenn er mit seiner Leiter in den rot-gelben-Discounter spaziert und dort nur völlig ungenießbare Mikro-Äpfelchen vorfindet. klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

Abgespeist: Foodwatch schafft sich selbst ab

In marketing on 17/05/2011 at 08:52

Noch knapp einen Monat können aufgeklärte Verbraucher bei Foodwatch über ihren Favoriten bei der Wahl zur Werbelüge des Jahres 2011 abstimmen. Mit dabei: 2 Süßigkeiten, 1 Yoghurt, Gurken und Mini-Würstchen. Das Spektrum der Kandidaten wirkt auf den ersten Blick reichlich ausgewogen, allerdings rekrutiert Foodwatch die Kandidaten nur aus den selbst vorgestellten Blogbeiträgen – eigene Vorschläge können die zum Mitmachen animierten Konsumenten nicht einreichen. Anlass genug, sich die fünf Finalisten einmal genauer anzusehen, die uns Foodwatch als die größten Werbelügen anbietet. Aus den Augen des Marketing…

Nimm2 (Storck): Eins vorweg – die Texter bei Storck haben sich wirklich einiges einfallen lassen, um ihrem Produkt eine eindeutige Positionierung zu geben. Die Geschmackssorten Zitrone und Orange stehen seit jeher (wie alle Zitrusfrüchte) für Vitaminliferanten. Storck springt auf diesen Zug auf und fügt den klebrigen Drops Vitamine bei, um diesen Erwartungen gerecht zu werden und das Alleinstellungsmerkmal (USP, Unique Selling Proposition) zu manifestieren. Auch hier weiß man: Nur, wenn’s drin ist, darf ich’s auch drauf schreiben! Foodwatch bemängelt nun, dass diese Vitamine bei Kindern gar nicht in mangelnder Konzentration vorlägen – einen Beleg für diese These bleiben die Lebensmittelwächter aber genauso schuldig, wie Storck für positive Auswirkungen auf den Vitaminhaushalt. Weiterhin kritisiert Foodwatch, dass das Fruchtbonbon mit glücklichen Kindern auf der Verpackung wirbt. Freunde, was habt ihr denn erwartet? Traurige Diabetis-Greise in einem verregneten Hinterhof? Man kann sich doch nicht ernsthaft über eine zielgruppengerechte Positionierung und Kommunikation eines gewinnorientierten Unternehmens wundern… Und noch ein Hinweis am Rande für Storck: Warum spielt das Thema „Tradition“ bei euch überhaupt keine Rolle? Immerhin wird es im deutschen Markt nur wenige Konkurrenten geben, die seit den 60er Jahren ein fast unverändertes Produkt erfolgreich anbieten. Einen Best-Practise-Case für generationenübergreifende Verankerung gibt es gerade bei MonChéri zu bestaunen.

Schlemmertöpfchen feine Gürkchen (Kühne): Perfekte Überleitung: Genau dieses Thema greift nämlich Kühne auf und berichtet, dass das Unternehmen bereits seit 1722 produziert. Was man hier als Beleg für jahrhundertelanges erfolgreiches Bestehen am Markt (=Produktkompetenz) als Kommunikationsinstrument einsetzt, treibt bei Foodwatch wieder den Puls herauf: Dort assoziiert man mit dem „1722“-Siegel ausschließlich traditionelle Fertigungsmethoden. Wer das Etikett nicht richtig liest, mag davon ausgehen. Doch Kühne behauptet das gar nicht: Man arbeite „mit erlesenen Kräutern“ (d.h. nicht ausschließlich) mit „besonderer Hingabe für höchsten Genuss. Seit 1722“. Letzteres bedeutet weder, dass „feine Gürkchen“ seit 1722 in den Supermarktregalen stehen, noch dass Fertigungsmethoden aus dem späten Mittelalter eingesetzt werden. klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

Scholz & Friends ködert Kreative mit der „Pizza Digitale“

In marketing on 26/03/2011 at 18:44

Im Ringen um die kreativsten Köpfe der Hamburger Werbeszene treiben sich die großen Agenturen zunehmend zu Höchstleistungen an. Recruitment ist nicht mehr lästiges Bewerbungsmappendurchwühlen, sondern längst Aushängeschild einer Werbeagentur und damit Chefsache! Den vorerst letzten vielbeachteten Schlag gegen die Konkurrenz teilten Jung von Matt im Februar mit dem trojanischen Pferd aus. Jetzt legen Scholz & Friends nach…

„Mit Speck fängt man Mäuse, mit Pizza Kreative“ hat man sich in der Hansestadt gesagt und statt Stiften und Papier mal einen Pizzateig gequält. Das Ergebnis ist die „Pizza Digitale“, die – wenig verwunderlich – gezielt den Digital Natives unter den Werbern schmecken soll. Dabei ist sie alles andere als opulent belegt – auch das ist wenig verwunderlich, gelten die Gaumen der Online-Experten doch als eher robust – und kommt als „Margharita Light“ daher.

Der Clou ist weniger der Belag, als vielmehr dessen Anordnung: Aus dem Pizzaboden erhebt sich nämlich ein QR-Code aus knusprigem Käse und Tomatensauce. Mit dem Smartphone geknipst, leitet er den magenknurrenden Kreativen direkt auf die Bewerberseite von Scholz & Friends.

Um Streuverluste zu minimieren, liefert der Kooperationspartner „Pizza Croque Master“ die Pizza Digitale nur dann als kostenlose Dreingabe, wenn eine Bestellung aus einer Konkurrenzagentur eingeht. Ganz oben auf der Liste: Jung von Matt, Kempertrautmann, Kolle Rebbe und Grabarz und Partner. Die Initiatoren um die Creative Directors Marc Kittel und Pedro Sydow können zufrieden sein: Auf die Aktion hin meldeten sich 12 Bewerber, aus deren Mitte 2 neue Digital-Teams zusammengestellt wurden.

Einfach. Brilliant. Einfach brilliant. Man darf gespannt sein auf die Retourkutsche der Kollegen – bis dahin: Chapeau Claqué, Scholz & Friends!

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