stenographique

Posts Tagged ‘zeitgeist’

genial: replenish verkauft reiniger in leeren flaschen

In marketing on 23/11/2010 at 13:49

themen wie „green logistics“, „green efficiency“, „csr“ oder schlichtweg „nachhaltigkeit“ werden von vielen unternehmen immer noch als notwendiges übel verstanden und als green-washing umgesetzt. das kleine kalifornische start-up „replenish“ macht jetzt vor, wie nachhaltige produktentwicklung wirklich funktionieren kann.

ein normaler haushaltsreiniger besteht nur zu 5% aus den chemikalien, die für die putzkraft verantwortlich sind. die verbleibenden 95% sind wasser! das bedeutet: hersteller und (in erster linie) konsumenten zahlen dafür, dass ein gut um die ganze welt gekarrt wird, das es überall gibt. eigentlich eine absurde vorstellung… dadurch erschließt sich ein unglaubliches einsparpotenzial bei den transportkosten. man stelle sich einmal vor, dass das gewicht eines produkt sinkt schlagartig auf ein zwanzigstel – verpackungskosten unberücksichtigt. mit den transportkosten sinken selbstverständlich auch emissionen und umweltbelastung – der CO2-fußabdruck dieses produkts muss lohas und produktentwicklern gleichermaßen die freudestränen in die augen treiben…

diesen weg geht replenish und verkauft (nahezu) leere sprühflaschen. dass deswegen nicht die verbraucherschützer auf die barrikaden springen und „mogelpackung“ schreien, hängt mit dem ausgefeilten produktkonzept zusammen:

das kleine unternehmen hat die sprühflasche als solche vollkommen in frage gestellt und grundlegend überarbeitet. herausgekommen ist eine abschraubbare kartusche im boden mit dem putzkonzentrat, die für rund vier füllungen reicht. in den oberen teil der falsche füllt der verwender leitungswasser ein, das sukzessive mit dem konzentrat angereichert wird.

es versteht sich von selbst, dass die flasche aus recyceltem plastik hergestellt wurde, der reiniger ph-neutral, vollständig biologisch abbaubar ist und keine toxischen stoffe enthält. alles hoch-politically-correct! klickstu

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mit erhobenem zeigefinger: der telekom fliegt der eigene internet-knigge um die ohren

In medien on 15/07/2010 at 08:29

verbraucherschutzministerin ilse aigner (csu) fordert einen – die telekom hat schon einen: der internet-knigge ist in aller munde. nachdem das problem von frau aigner an dieser stelle schon geklärt wurde, werfen wir nun einen blick auf die benimmregeln für’s internet von der deutschen telekom. anders als die ministerin gibt man sich im hauseigenen creation center nicht mit lächerlichen 10 regeln zufrieden, sondern sieht sich genötigt, die lernwilligen und verzogenen internetuser mit sage und schreibe 101 regeln zu malträtieren. mit dabei:

regel 7: förmliche e-mails mit rechtschreibfehlern machen einen schlechten eindruck. jedoch lässt dich ein fehler in einer informellen e-mail menschlicher erscheinen.

regel 9: nutze die „ copy & paste“ funktion, um namen anderer nicht versehentlich falsch zu schreiben.

regel 14: e-mails die in kleinbuchstaben, und mit falscher zeichensetzung verfasst sind lassen dich ungebildet oder, faul erscheinen

davon abgesehen, dass sich stenographique durch regel 14 persönlich gekränkt fühlt und einen brief an die telekom schreiben wird, mutet man uns in der tat einen erheblichen leseaufwand zu, dessen praktischer nutzen und erkenntnisgewinn in einem überschaubaren rahmen bleiben. vermisst habe ich außerdem hinweise wie „nicht mit dem kopf auf der tastatur einschlafen“ oder „keine butterbrotreste ins blackberry krümeln“…

übrigens 1: zufall oder nicht – die forderung nach einem online-knigge von frau aigner und die veröffentlichung selbiger durch die telekom geschah in perfekter synchronisation: beides am 12.7.2010 nur wenige stunden nacheinander.

übrigens 2: die welt hat die 101 telekom-regeln mit werbung gespickt und eine komplette klickstrecke mit einer regel pro seite erstellt… eine frechheit gegenüber dem nutzer und den werbetreibenden, denn jeder klick verteuert werbefläche auf welt-online.de!

dass der magentafarbene ehemalige staatskonzern ungefragt „101 leitlinien für die digitale welt“ in ebensdiese hinausbläst, stieß vielfach auf widerspruch. so auch bei stefan winter: der jetzt.de-blogger (im auftrag der süddeutschen zeitung) hat den spieß umgedreht und setzt der telekom 10 regeln zur verbesserung des eigenen stils vor – köstlich:

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hysterie im web2.0 – chronographie einer twitter-ente

In meinungen, miscellaneous on 15/06/2010 at 10:00

gestern vormittag, 10.59 uhr: bei twitter geht eine erste (noch unschuldige) info ein: „donnernder schlag über göttingen… #goebombe“. bereits eine minute später schaltet sich das göttinger tageblatt (GT) ein, das live von den letzten beiden bombenentschärfungen aus göttingen vor rund 2 wochen twitterte und damit national einige beachtung fand:

zunächst noch fragend, war die resonanz doch gewaltig. im sekundentakt poppten neue tweeds mit dem kennwort #goebombe auf, das das GT bei der letzten entschärfung eingeführt hatte.

als erkennbar wurde, dass alle, die sich an der diskussion beteiligten, den knall gehört hatten, wurden die prognosen bereits waghalsiger. standort city? größere erschütterung als bei der letzten explosion?! berstende fenster noch kilometerweit entfernt. #goebombe verbreitete angst und schrecken! erste zweifler wie dieser wurden ignoriert – zu spektakulär war die vorstellung einer bombenexplosion in der innenstadt!

es dauerte nicht lange, und man fand erste „belege“ für das erhofft-schreckliche befürchtete ereignis. keine anwohner, die bilder von zerstörten häuserfassaden uploadeten, nein: die bild-zeitung wusste es schon einen tag früher…

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zurück zum glück: facebook mit internationalem glücksindex

In marketing, miscellaneous on 13/05/2010 at 17:51

mit über 450 millionen nutzern hat sich facebook längst zum datenmekka für meinungsforscher entwickelt. auch hierzulande hat bereits jeder zehnte bundesbürger eine virtuelle identität in der social community. daher überrascht es – trotz aller kritik an der kommerzialisierung des netzwerks – nicht, dass markt- und meinungsforscher zunehmend versuchen, aus den user-daten automatisch generierte indizes zu entwickeln. ein spannender und klatschkolumnen-tauglicher ansatz ist der „gross national happiness index“ (gnh), quasi das bundesbruttonationalglück – schönes wort. dieser index basiert auf den statusmeldungen, die nutzer zur beschreibung ihrer aktuellen emotionalen stimmung verwenden. einfach gesagt: postet ein land von liebe, glück und zufriedenheit, erhält es einen hohen gnh-wert. meckern die bürger dagegen über das wetter, den job und die allgemeine stimmung, wird dies in einem niedrigeren/negativen wert ausgedrückt. klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

mathe: 1, setzen!

In meinungen, miscellaneous on 04/05/2010 at 21:31

stenographique ist weder ein schulblock, noch ein schulblog. etwaige ausflüge können also getrost abgeheftet und vergessen werden. wenn hier themen aus den vielleicht schlimmsten jahren eines jungen menschen auftauchen, erwartet man also berechtigterweise einen gewissen aha-effekt. den hatte ich gerade beim schriftlichen multiplizieren!

ihr erinnert euch: die letzte ziffer des hinteren faktors wird der reihe nach mit allen zifferen des vorderen faktors multipliziert – das ergebnis ist die erste zeile geschrieben. darunter: same procedure mit der zweiten ziffer des hinteren faktors. das ergebnis schreibt man links eingerückt unter die erste teilprodukts – hat irgendwas mit dem hexadezimalsystem zu tun… und so weiter bis am ende alle teilprodukte untereinanderstehen und aufsummiert werden können. links steht ein beispiel zur verdeutlichung. alles in allem: ein furchtbar schwer zu vermittelndes konstrukt, das schülerhirne zum implodieren bringen kann und den taschenrechner im handy zum apfel der verführung werden lässt. dabei geht es viel einfacher…

alex bellos zeigt uns einen ansatz der so altehrwürdig, wie revolutionär ist. auf basis von vedischer mathematik lässt sich eine aufgabe wie die obige mit wenigen strichen in sekunden lösen – selbst waldorflehrer würden sich spontanen jubelschreien hingeben. zunächst das video, dann ein paar hintergrund-infos… klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

the visualisation of zeitgeistiness

In medien on 07/02/2010 at 17:15

auf den ersten blick sieht es aus, wie die werbung einer bauklötzeherstellers. oder die internetpräsenz einer konstruktivistischen künstlervereinigung. auf den zweiten blick hat die britische tageszeitung „the guardian“ aber ein tool geschaffen, das die darstellung von inhalten im internet revolutionieren könnte.

gerade auf nachrichtenseiten mit millionen von artikeln leiden besucher in aller regel unter einem information overload (siehe auch artikel zur customer confusion hier oder hier). die bewegendsten geschichten, die spannendsten meldungen und die besten kommentare bleiben so häufig im verborgenen. hervorgehoben werden dagegen die artikel mit den meisten zugriffen. das sind aber häufig eben nicht die stories, mit denen sich ein nachrichtenmedium differenzieren kann. top-meldungen aus wirtschaft, politik und sport bieten schließlich alle – egal ob online/offline, täglich/wöchentlich, gratis/bezahlt.

genau an dieser stelle setzt „zeitgeist“ an. das guardian-experiment mit dem schönen deutschen namen bezieht in die ermittlung von top-artikeln, die als lese-empfehlung auf der seite hervorgehoben werden, alle möglichkeiten des neuen, wunderbaren mitmach-webs ein: verlinkungen, blogeinträge, tweeds, verweildauer, klickpfade und so weiter. damit werden die wahren multiplikatoren unserer zeit stärker berücksichtigt, artikel mit zugriffsheischender überschrift sind nicht mehr (alleine) verantwortlich für die topplatzierung eines texts. die ansicht wird also durch die nutzung und den (inter-)aktiven umgang mit den texten generiert. klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

werbe-zeitreise mit dem „vintage ad browser“

In marketing on 10/01/2010 at 17:56

unter vintageadbrowser.com findet man seit kurzem eine spannende zeitreise durch die werbewelt der letzten jahrzehnte. philipp lenssen, der autor von blogoscoped.com und zweier bücher über google, hat sich monatelang hingesetzt und über 120.000 werbeplakate und -flyer eingescannt. herausgekommen ist ein einmaliges projekt, das einen einblick gibt in die windungen und den wandel des corporate advertisements.

gesucht werden kann nach branchen, stichworten und jahrzehnt. auch als recherche-quelle sicherlich irgendwann mal sehr nützlich, nicht nur für wirtschaftshistoriker. in meinen favoriten ist der vintageadbrowser damit gelandet…

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