stenographique

Posts Tagged ‘netzpolitik’

russe angeklagt, 20% weniger spam weltweit

In miscellaneous on 28/10/2010 at 21:11

seit einigen tagen bekomme ich fast keine mails mehr… der grund dafür liegt nicht etwa in einer selbstverordneten abstinenz vom sozialen leben, sondern in den händen russischer polizisten. die fleißigen ordnungshüter haben ermittlungen gegen igor a. gusev eingeleitet. dieser ist als einer der vermeintlichen betreiber der domain spamit.com der ungekrönte könig der internationalen email-werbeschlacht und hat sicherlich schon jeden von euch mit produktinformationen bedacht. sie tragen in den betreffzeilen namen wie „ch3ap v|agra“, „original re-plica watches“ oder „100% free s3x xxx“.

richtig: gusev verschickt für sein leben gerne spam-mails mit phamazie-schwerpunkt. die non-profit-organisation spamhaus listet spamit.com als den größten einzelnen versender von spam-mails weltweit. vor einem monat schloss seine seite schlagartig – auslöser dafür waren die ermittlungen der russischen polizei. während gusev sich vermutlich ins ausland absetzte, tat sich erstaunliches in den internet-überwachungsstatistiken bei cisco und kaspersky: von einem tag auf den anderen sank das weltweite emailaufkommen um unglaubliche 20%. das sind keine peanuts, sondern 40 milliarden mails pro tag!

heute findet sich auf spamit.com nur noch ein platzhalter. viele experten fragen sich nun, warum russland nach jahren des wegsehens mit einem mal derart hart gegen die spam-organisationen durchgreift. die erklärung könnte ein treffen zwischen präsident medvedev und dem kalifornischen gouverneur schwarzenegger bieten: klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

profi-stalking bei facebook als geschäftsmodell

In marketing on 04/10/2010 at 18:43

professionelles stalking scheint sich zu einem einträglichen geschäftsmodell entwickelt zu haben. die kalifornische HR-agentur „social intelligence“ bietet seit dieser woche ein tool an, das alle informationen aggregiert, die über eine beliebige person im internet mehr oder weniger frei verfügbar sind. laut selbstauskunft der agentur kann sich ein personalverantwortlicher damit ein „integres und umfassendes bild“ über einen bewerber machen – notfalls noch bevor dieser seine bewerbungsmappe eingereicht bzw. gemailt hat.

doch nicht nur bewerber-profile lassen sich mit dem „social intelligence hiring“ analysieren. die agentur bietet darüber hinaus mit dem „social intelligence monitoring“ einen dienst an, mit dem die social media aktivitäten von mitarbeitern in echtzeit getrackt werden und das programm notfalls alarm schlägt, sollte sich der hausmeister im ton vergreifen oder die vorstandssekretärin bei facebook über ihren chef lästern.

dabei betont die agentur, immer ergebnisoffen zu arbeiten, so dass positive und negative ergebnisse und deren folgen für die mitarbeiter und bewerber resultieren können. wie realistisch der erste fall ist, ist schwer zu beurteilen. ich vermute jedoch, dass ein misstrauischer arbeitgeber, der seine mitarbeiter ausspionieren lässt, kaum dazu neigen wird, ein lob für das ehrenamtliche engagement seines praktikanten im taubenzüchterverein auszusprechen. die erkenntnisse aus der spitzel-affäre um lidl zeigen, dass das arbeitsklima meist längst zerstört ist, wenn unternehmen zu solch drastischen kontroll-maßnahmen greifen.

um eins klarzustellen: der agentur kann (zumindest bislang) nicht der vorwurf gemacht werden, illegal aktiv zu sein. so versichert der firmengründer max drucker, sein unternehmen orientiere sich streng am geltenden recht der usa und versende beispielsweise keine gefakten kontaktanfragen bei facebook und co. hier liegt aber gleichzeitig auch der hund begraben: klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

mit erhobenem zeigefinger: der telekom fliegt der eigene internet-knigge um die ohren

In medien on 15/07/2010 at 08:29

verbraucherschutzministerin ilse aigner (csu) fordert einen – die telekom hat schon einen: der internet-knigge ist in aller munde. nachdem das problem von frau aigner an dieser stelle schon geklärt wurde, werfen wir nun einen blick auf die benimmregeln für’s internet von der deutschen telekom. anders als die ministerin gibt man sich im hauseigenen creation center nicht mit lächerlichen 10 regeln zufrieden, sondern sieht sich genötigt, die lernwilligen und verzogenen internetuser mit sage und schreibe 101 regeln zu malträtieren. mit dabei:

regel 7: förmliche e-mails mit rechtschreibfehlern machen einen schlechten eindruck. jedoch lässt dich ein fehler in einer informellen e-mail menschlicher erscheinen.

regel 9: nutze die „ copy & paste“ funktion, um namen anderer nicht versehentlich falsch zu schreiben.

regel 14: e-mails die in kleinbuchstaben, und mit falscher zeichensetzung verfasst sind lassen dich ungebildet oder, faul erscheinen

davon abgesehen, dass sich stenographique durch regel 14 persönlich gekränkt fühlt und einen brief an die telekom schreiben wird, mutet man uns in der tat einen erheblichen leseaufwand zu, dessen praktischer nutzen und erkenntnisgewinn in einem überschaubaren rahmen bleiben. vermisst habe ich außerdem hinweise wie „nicht mit dem kopf auf der tastatur einschlafen“ oder „keine butterbrotreste ins blackberry krümeln“…

übrigens 1: zufall oder nicht – die forderung nach einem online-knigge von frau aigner und die veröffentlichung selbiger durch die telekom geschah in perfekter synchronisation: beides am 12.7.2010 nur wenige stunden nacheinander.

übrigens 2: die welt hat die 101 telekom-regeln mit werbung gespickt und eine komplette klickstrecke mit einer regel pro seite erstellt… eine frechheit gegenüber dem nutzer und den werbetreibenden, denn jeder klick verteuert werbefläche auf welt-online.de!

dass der magentafarbene ehemalige staatskonzern ungefragt „101 leitlinien für die digitale welt“ in ebensdiese hinausbläst, stieß vielfach auf widerspruch. so auch bei stefan winter: der jetzt.de-blogger (im auftrag der süddeutschen zeitung) hat den spieß umgedreht und setzt der telekom 10 regeln zur verbesserung des eigenen stils vor – köstlich:

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glücklich sind die ewig gestrigen: ilse aigners forderung nach einem internet-knigge

In medien on 15/07/2010 at 07:57

fünf tage ist es jetzt her, dass verbraucherschutzministerin ilse aigner (csu) im interview mit welt online weitestgehend beiläufig einen verhaltenskodex für das internet forderte – die idee-vom online-knigge war geboren! zitat:

welt online: brauchen wir also doch differenziertere regeln für das internet?

aigner: wir bräuchten einen ehrenkodex, eine art knigge für das internet, zehn goldene regeln – kurz, knapp und klar.

welt online: wer soll einen solchen knigge aufstellen?

aigner: solche regeln können nur aus der internetcommunity kommen. es wäre schön, wenn die nutzer selbst vorschläge machen würden. orientieren könnte man sich dabei auch an den sozialen netzwerken, die bereits eine „netiquette“ haben.

nachdem frau aigner vor kurzem bereits mit ihrem protestbedingten austritt von facebook und dem damit verbundenen verlust von 4.000 freunden für große aufmerksamkeit gesorgt hatte (taz: „aigner ohne profil“), landet sie mit der forderung nach der online-knigge vielleicht den nächsten gau pr-coup. jetzt – da einige tage vergangen sind – zeichnet sich ab, dass die reaktionen auf aigners forderung so breit gestreut wie umfangreich ausfallen. manche fordern einen führerschein für’s internet, andere ziehen parallelen zu den späten 90ern als es eine ähnliche debatte schon einmal gab, wiederum andere beklagen blasphemie gegenüber herrn knigge senior höchstselbst.

aigner bringt soziale netzwerke ins gespräch, die mit ihrer bereits bestehenden form eines verhaltenskodex als vorbild für die geforderte netz-etiquette dienen könnten. doch ist der kodex wirklich so neu? bei einer suche nach einem völlig anderen buch bin ich bei amazon gestern auf die antwort auf diese frage gestoßen (den vorschlägen à la „vielleicht gefällt ihnen auch…“ sei dank!). völlig visionär muss die autorin virginia shea in den augen von ilse aigner sein. denn sie hat bereits 1994 das buch „netiquette“ veröffentlicht. kern des ganzen: 10 regeln zum verhalten im internet. man erinnere sich an die eingangs zitierte forderung unserer internet-ministerin: „eine art knigge für das internet, zehn goldene regeln – kurz, knapp und klar“. das passt, frau aigner.

finanzielle gründe für die ahnungslosigkeit kann man indes nicht finden: mit einem preis von 2,93$ übersteigt das vier legislaturperioden alte buch das ministeriale budget wohl eher nicht.

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