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mit erhobenem zeigefinger: der telekom fliegt der eigene internet-knigge um die ohren

In medien on 15/07/2010 at 08:29

verbraucherschutzministerin ilse aigner (csu) fordert einen – die telekom hat schon einen: der internet-knigge ist in aller munde. nachdem das problem von frau aigner an dieser stelle schon geklärt wurde, werfen wir nun einen blick auf die benimmregeln für’s internet von der deutschen telekom. anders als die ministerin gibt man sich im hauseigenen creation center nicht mit lächerlichen 10 regeln zufrieden, sondern sieht sich genötigt, die lernwilligen und verzogenen internetuser mit sage und schreibe 101 regeln zu malträtieren. mit dabei:

regel 7: förmliche e-mails mit rechtschreibfehlern machen einen schlechten eindruck. jedoch lässt dich ein fehler in einer informellen e-mail menschlicher erscheinen.

regel 9: nutze die „ copy & paste“ funktion, um namen anderer nicht versehentlich falsch zu schreiben.

regel 14: e-mails die in kleinbuchstaben, und mit falscher zeichensetzung verfasst sind lassen dich ungebildet oder, faul erscheinen

davon abgesehen, dass sich stenographique durch regel 14 persönlich gekränkt fühlt und einen brief an die telekom schreiben wird, mutet man uns in der tat einen erheblichen leseaufwand zu, dessen praktischer nutzen und erkenntnisgewinn in einem überschaubaren rahmen bleiben. vermisst habe ich außerdem hinweise wie „nicht mit dem kopf auf der tastatur einschlafen“ oder „keine butterbrotreste ins blackberry krümeln“…

übrigens 1: zufall oder nicht – die forderung nach einem online-knigge von frau aigner und die veröffentlichung selbiger durch die telekom geschah in perfekter synchronisation: beides am 12.7.2010 nur wenige stunden nacheinander.

übrigens 2: die welt hat die 101 telekom-regeln mit werbung gespickt und eine komplette klickstrecke mit einer regel pro seite erstellt… eine frechheit gegenüber dem nutzer und den werbetreibenden, denn jeder klick verteuert werbefläche auf welt-online.de!

dass der magentafarbene ehemalige staatskonzern ungefragt „101 leitlinien für die digitale welt“ in ebensdiese hinausbläst, stieß vielfach auf widerspruch. so auch bei stefan winter: der jetzt.de-blogger (im auftrag der süddeutschen zeitung) hat den spieß umgedreht und setzt der telekom 10 regeln zur verbesserung des eigenen stils vor – köstlich:

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glücklich sind die ewig gestrigen: ilse aigners forderung nach einem internet-knigge

In medien on 15/07/2010 at 07:57

fünf tage ist es jetzt her, dass verbraucherschutzministerin ilse aigner (csu) im interview mit welt online weitestgehend beiläufig einen verhaltenskodex für das internet forderte – die idee-vom online-knigge war geboren! zitat:

welt online: brauchen wir also doch differenziertere regeln für das internet?

aigner: wir bräuchten einen ehrenkodex, eine art knigge für das internet, zehn goldene regeln – kurz, knapp und klar.

welt online: wer soll einen solchen knigge aufstellen?

aigner: solche regeln können nur aus der internetcommunity kommen. es wäre schön, wenn die nutzer selbst vorschläge machen würden. orientieren könnte man sich dabei auch an den sozialen netzwerken, die bereits eine „netiquette“ haben.

nachdem frau aigner vor kurzem bereits mit ihrem protestbedingten austritt von facebook und dem damit verbundenen verlust von 4.000 freunden für große aufmerksamkeit gesorgt hatte (taz: „aigner ohne profil“), landet sie mit der forderung nach der online-knigge vielleicht den nächsten gau pr-coup. jetzt – da einige tage vergangen sind – zeichnet sich ab, dass die reaktionen auf aigners forderung so breit gestreut wie umfangreich ausfallen. manche fordern einen führerschein für’s internet, andere ziehen parallelen zu den späten 90ern als es eine ähnliche debatte schon einmal gab, wiederum andere beklagen blasphemie gegenüber herrn knigge senior höchstselbst.

aigner bringt soziale netzwerke ins gespräch, die mit ihrer bereits bestehenden form eines verhaltenskodex als vorbild für die geforderte netz-etiquette dienen könnten. doch ist der kodex wirklich so neu? bei einer suche nach einem völlig anderen buch bin ich bei amazon gestern auf die antwort auf diese frage gestoßen (den vorschlägen à la „vielleicht gefällt ihnen auch…“ sei dank!). völlig visionär muss die autorin virginia shea in den augen von ilse aigner sein. denn sie hat bereits 1994 das buch „netiquette“ veröffentlicht. kern des ganzen: 10 regeln zum verhalten im internet. man erinnere sich an die eingangs zitierte forderung unserer internet-ministerin: „eine art knigge für das internet, zehn goldene regeln – kurz, knapp und klar“. das passt, frau aigner.

finanzielle gründe für die ahnungslosigkeit kann man indes nicht finden: mit einem preis von 2,93$ übersteigt das vier legislaturperioden alte buch das ministeriale budget wohl eher nicht.

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