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„For You. Vor Ort. Vorbei“ – Headline-Recycling beim Handelsblatt

In medien on 01/03/2012 at 10:02

Um 8:03 trudelte heute wie gewohnt das tägliche „Handelsblatt Morning Briefing“ in den virtuellen Postkasten. Mit dabei: Die Must-Haves der Saison, wie Griechenland-Krise, EZB und streikende Angestellte. Dazwischen fand sich aber auch eine lobende Erwähnung einer namentlich nicht genannten „pfiffigen Redakteurin von Handelsblatt Online“ durch von Chefredakteur Gabor Steingart. Dieser war ganz aus dem Häuschen angesichts ihrer kreativen Wortspiele in der Überschrift mit einem Seitenhieb auf den vieldiskutierten neuen Slogan der Drogerie-Kette Schlecker: Aus „For You. Vor Ort.“ machte die pfiffige Redakteurin kurzerhand“ „For You. Vor Ort. Vorbei.“ – ein Brüller. Steingart dazu:

Bei Schlecker gibt es derzeit nichts zu lachen: Mehr als 10.000 Stellen fallen weg, jede zweite Filiale soll dicht gemacht werden. Der Insolvenzverwalter verordnet der Drogeriemarktkette einen drastischen Sparkurs und sucht nach einem Investor. Eine pfiffige Redakteurin von Handelsblatt Online passte den Werbespruch des Unternehmens der neuen, tristen Realität an: For you. Vor Ort. Vorbei.

Blöd nur, dass die Redakteurin dabei auf einen seit Wochen im Internet kursierenden Spruch zurückgegriffen hat. Eine Suche bei Google findet unter „For You. Vor Ort. Vorbei“ stattliche 138.000 Treffer. Auch Twitter listet Dutzende Treffer. Der urspüngliche Urheber lässt sich nach rund einem Monat kaum mehr ermitteln, früh dabei waren z.B. die Kommentatoren auf der Facebook-Seite der Financial times Deutschland (20.1.2012, 5:07 Uhr) und der brandmeldungen-Blog. Dann ging es Schlag auf Schlag und das heitere Wortspiel zur ernsten Situation bei Schlecker wurde ein geflügelter Satz. Die Wirtschaftswoche ließ sich sogar zu einer Klickstrecke der „lustigsten Tweets“ zur Schlecker-Pleite hinreißen – mit dabei: der Vorbei-Witz, logo. Die Verbreitung ging so weit, dass „For You“ am 20.1.2012 sogar in die Twitter Trending Topics, also die meistgenutzen Begriffe, einging.

Damit kannte wahrscheinlich das komplette gut informierte deutsche Internet die schwarzhumorige Wortschöpfung – mit einer Ausnahme: Gabor Steingart. Dass Redakteure und Blogger sich kreative Ideen borgen (nach Möglichkeit sogar mit Verweis zum Urheber) und heiß diskutierte Themen bei Twitter abschreiben, ist nichts unbedingt neues. Aber: Wenn man sich in einem naturgemäß faktenorientierten Newsletter schon zu einem persönlichen Lob hinreißen lässt, sollte doch wenigstens gewährleistet sein, dass es gerechtfertigt ist. Eine Googlesuche mit „Schlecker Pleite lustige Überschrift“ reicht da in meinen Augen noch nicht ganz.

siehe auch: Handelsblatt versucht sich als iPad2-Discounter – und mogelt mit den Fakten

Handelsblatt versucht sich als iPad2-Discounter – und mogelt mit den Fakten

In marketing, medien on 21/04/2011 at 19:15

Der Abo-Service des Handelsblatts kündigte heute an, uns Lesern und potentiellen Abonnenten ein ganz besonderes Schmankerl zu Ostern präsentieren zu können: Ein 2-Jahres-Abo inkl. iPad2 bei einer Ersparnis von rund 1.200 EUR. Die Meldung wurde erwartungsgemäß schnell aufgegriffen und u.a. über ibusiness und turi2 verbreitet.

Doch gerade, wenn es um das iPad2 geht, ist nicht alles Gold, was glänzt. Ausreichend Anlass also, das Angebot der Verlagsgruppe Handelsblatt einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Wenn jemand bereit ist, 1.111 EUR für’s Zeitungslesen zu investieren, sollte man annehmen, dass er den Deal auf Herz und Nieren prüft. Bei dem Ostergeschenk des Handelsblatts ist das bisher nicht passiert. Wir legen also die OP-Schürze an, zücken das Skalpell und schälen die glänzende Schale vom Osterei.

Die Anzeige addiert 4 Posten zu einer Summe von 2.316,98 EUR, aus der sich eine „Ersparnis“ von über 1.200 EUR ergeben soll. Einer dieser Posten beträgt 0,00 EUR für die iPad-App und ist daher für das Zahlenspiel unerheblich. Die zweite Angabe bezieht sich auf den Gerätepreis des iPad2. Dieser wird mit 579 EUR in der 32GB WiFi-Variante angegeben – das entspricht dem Listenpreis von Apple, ist also auch unkritisch. Spannend wird es bei den verbleibenden Kostenpunkten, die aus der Handelsblatt-eigenen Sphäre stammen. Hier wurde tief in die Trickkiste gegriffen und getreu dem Motto „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ ein Osterei präsentiert, das ohne die erwähnte glänzende Schale heftig zu stinken beginnt.

Was an diesem Ei faul ist? Zunächst wird der finanzielle Gegenwert eines Handelsblatt-Zweijahres-Abos mit 1.098 EUR angegeben, das sind 549 EUR pro Jahr. So steht das zwar auch in der Preisliste der Zeitung, allerdings handelt es sich hierbei um einen rein virtuellen Preis, da jedes Abo zusammen mit einer Bargeld-Prämie von 225 EUR pro Jahr angeboten wird. Der tatsächliche Preis eines Jahresabos liegt damit bei 324 EUR, oder für zwei Jahre bei 648 EUR. [Edit: siehe dazu die Kommentare von „derChris“, „Uli“ und „Stephen“ sowie die Updates am Ende des Artikels.]

Weiterhin führt die Anzeige das ePaper der Handelsblatt-Ausgabe mit einem Preis von 639,98 EUR auf. Hier offenbart sich eine frappierende Rechenschwäche des zuständigen Autors: klickstu Den Rest des Beitrags lesen »

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