stenographique

Das CSU-Propaganda-Video gegen die Grünen und die Retourkutsche aus dem Netz

In medien, meinungen on 14/01/2011 at 16:57

Vom Internet heißt es, es reguliere sich selbst. Auf Anfeindungen gegen einzelne Gruppen oder gar Minderheiten reagiert die Online-Community in aller Regel mit gefletschten Zähnen und geschärften Klauen – die Ablehnung steigt dabei mit der Aggressivität des ursprünglichen Angriffs. Soweit die Theorie…

Einen praktischen Bilderbuchbeleg bietet uns das aktuelle Propaganda-Video der CSU: Während man selbst im Umfragetief dümpelt, das Thema absolute Mehrheit nicht mal mehr bei dörflichen Jugendverbänden zwischen zwei Scheiben Leberkäs in den Mund genommen wird und die Partei mit versteckten Dolchen und Giftspritzen um den politischen Kurs ringt, übertreffen sich Bündnis90/die Grünen von Umfrage zu Umfrage.

Angst geht um bei den Trägern der blau-weißen Parteibücher. Der Grüne wird als neuer Erzfeind der christlich-sozialen Alleinherrschaft in Bayern enttarnt. Man greift also tief in die Demagogen-Trickkiste, schlägt das große Diffamierungsbuch im Kapitel „Angst und Schrecken“ auf und produziert einen viralen (?) Spot, um der geblendeten Bevölkerung die politischen Gefahren und Risiken vor Augen zu führen, die von den militanten Ökos ausgehen. Im CSU-Sprech heißt das dann: „Ein Männlein steht im Walde, ganz grün und dumm. Es hat vor lauter Protest eine Steinschleuder um.“ (man beachte dabei die Intonation des Sängers)

Obwohl man in weiser Voraussicht bereits die Kommentarfunktion deaktiviert hatte, steht die Parteispitze voll hinter der Aktion: „Die Grünen sind im Kern immer noch die alte antibürgerliche Chaoten- und Steinewerfer-Partei von vor 30 Jahren“, kommentierte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt das Video. klickstu Während Herr Dobrindt um ein besorgtes Gesicht bemüht ist und dabei wie seine eigene Karikatur aus „Kalkhofes Mattscheibe“ aussieht, schmerzt in der Grünenparteizentrale das Zwerchfell schon gewaltig. Und Jürgen Trittin bemerkt weise: „Als alter Wahlkämpfer sollte man wissen, dass solche Angriffe immer auch die Gegenseite mobilisieren.“ Recht hat er. Denn wie wir eingangs bemerkt haben: Das Internet reguliert sich selbst.

Insofern kann es durchaus als kluger Schachzug bezeichnet werden, dass kein Parteifunktionär der Grünen sich bislang ernsthaft zu dem albernen Video geäußert hat. Die volle Breitseite der Entrüstung prallt daher aus dem Internet auf die wackeligen Mauern der CSU-Hochburgen. Auf der CSU-Seite bedankt sich die Online-Community daher auch artig für diesen „großartigen Lacher“ und sogar ein Ortvorsitzender fordert „bitte stoppt die Kampagne“ wegen akuter Erklärungsnot gegenüber der Presse und dem politischen Gegner.

Die Selbstregulierung schlägt sich jedoch nicht nur in Bewertungen, Foren- und Blogeinträgen oder Kommentaren auf diversen Seiten nieder. Neben Erstaunen, Bestürzen, Frust, Lachanfällen und Mitleid bleibt mitunter noch eine ganze Portion Humor und Kreativität übrig: So haben die Kollegen von den webevangelisten ein starkes Video mit Bilder aus dem „Leben des Brian“ produziert und gewähren einen Einblick hinter die Kulissen der CSU – Prädikat: entwaffnend.

Bildquelle: Bundestag

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