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männerdomänen fussball, autos, internet – wo sind die frauen im web2.0?

In meinungen on 07/09/2010 at 18:22

kurz davor, meinen arbeitstag zu beenden und den computer herunterzufahren – surfe ich noch einmal schnell auf der rivva-seite vorbei, um mir ein letztes tagesupdate zu besorgen. der blick bleibt bei den bunt bebilderten social-usern hängen, die rivva in verbindung mit twitter nutzen und sich so eine persönliche nachrichtenübersicht aus dem eigenen netzwerk basteln lassen:

die user heißen sascha, lars, martin, peter oder bernd. dutzende kleiner bildchen, die mir entgegenlächeln. dutzende männerbilder. nach einer anstrengenden minute finde ich die erste frau: anita – und bin erleichtert. es gibt sie also doch. warum aber so wenige? ist das ein trend, der sich überall wiederfindet, oder eine merkwürdige geschlechter-aufteilung bei rivva?

ein paar analysen:

  • in den deutschen blogcharts klicke ich die 50 ersten und damit einflussreichsten blogs deutschlands an. frauen? fehlanzeige! nicht ein einziger blog in der deutschen top50 wird von einer frau betrieben. sicherlich finden sich hier und da ein paar agenturblogs, an denen frauen mitarbeiten. natürlich ist auch mal eine co-autorIN dabei. das war’s aber dann auch…
  • eine xing-gruppe für frauen, die es seit gut 1,5 jahren (also im internet ein paar dinosaurier-generationen) gibt, bringt es auf gerade einmal 114 mitglieder und 62 beiträge.
  • web2.0-foren im echten leben berichten entsetzt von reinen männer-veranstaltungen
  • etwas besser sieht es zwar bei den wordpress.com-top-blogs aus, gewissermaßen die highscore-tabelle der amateur-schreiberlinge: hier kommen von frauen betriebene blogs auf ca. 30%. der trend ist derselbe: männer dominieren.
  • auf sämtlichen social news sites dominieren die männlichen user mit teilweise über 80% nutzeranteil.

klickstu

wie kommt es, dass frauen in sachen blog, social news, web2.0 events etc. ein sprichwörtliches nischendasein führen? was ist aus dem praktischen schubladen-denken von überdurchschnittlich kommunikativen frauen geworden? und wie kommt es, dass auf meiner facebook-seite immer die mädels die musik machen? warum sind 7 der 10 einflussreichsten twitterer weltweit frauen?

werfen wir mal einen blick auf die geschlechterverteilung in social media plattformen: abgesehen von den bereits angesprochenen social news und bookmarking services sind frauen nirgends in der minderheit der user! bei myspace kommen sie sogar auf einen anteil von fast 65 %. parität herrscht bei youtube und linkedin, bei facebook und twitter bestätigt sich mein subjektiver eindruck – hier liegen wieder die ladies vorn.

es scheint, als gäbe es zwei klar abgegrenzte kategorien im web2.0 – und nur eine davon gefällt den frauen. zugegeben, jetzt kommt ein einfacher erklärungsansatz, der sich sicherlich einiger klischees bedient. aber vielleicht steckt in unserem alltäglichen schubladendenken ja auch im web 2.0 mehr wahrheit als man vermutet:

in meinen augen bestätigt sich in diesen zahlen zunächst das allgemeine gesellschaftliche stereotyp von kommunikaktiven frauen. auch online tauschen sie sich intensiver aus als männer. sie können weniger auf die ständige (möglichkeit der) kommunikation verzichten und nutzen diese häufiger und länger. männer verwenden social media anders: sie setzen weniger auf dialog, erfahrungsaustausch und tratsch. dafür bemühen sie sich eher, ein in ihren augen positives bild von sich, bzw. einen positiv besetzten avatar, im internet zu schaffen. stichwort: selbstdarstellung. „positiv“ heißt in diesem sinne beispielsweise zielstrebig, erfolgreich, metropolit, unabhängig, innovativ. damit geht auch eine business- und karriereorientierung einher, die die der frauen zu übersteigen scheint: bei xing liegt der frauenanteil auch nur bei 35%.

ein zweiter trend: nutzen- vs. technik-orientierung. es ist ein bisschen das alte spiel von autos und puppen. während frauen zumeist auf ästhetik und kommunikativen nutzwert setzen, begeistert männer oft schon die bloße neuheit eines social services und damit die technische seite der interaktiven innovation. männer lieben es, neue dinge auszuprobieren, sich in neue techniken einzuarbeiten und ihren freunden zu beweisen, dass sie die ersten waren. die entdecker. die prägenden innovators und „first mover“ (womit wir wieder beim ersten trend wären).

woran es letztlich liegt, bleibt schwer zu beantworten. stereotypen ersetzen mit sicherheit keine verhaltenspsychologischen theorien und empirien – aber die kann ich leider nicht vorweisen! vielleicht entsteht hier ja eine kleine diskussion und wir finden des pudels kern. zum abschluss ein statement des agenturchefs erik müller von 2006: „web2.0 ist das web für frauen“. kriegt er dafür den chauvi-oscar verliehen oder ein lobendes tätscheln für seine weitsicht?

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