stenographique

product placement im tv – zwei monate danach

In marketing on 06/06/2010 at 20:07

seit gut 9 wochen sind hierzulande product-placements erlaubt. nicht, dass wir vorher noch keinen anlass hatten, uns darüber zu ärgern – bester beleg dafür: das mediale vermächtnis des nationalhymnen-vaters stefan raab auf pro7 (anderes beispiel: der 007-streifen „stirb an einem anderen tag“ spülte allein an product-placement über 120mio$ in die kassen von pierce brosnan und co.). neu ist allerdings, dass auch die strenge arbeitsgemeinschaft der landesmedienanstalten in der bundesrepublik deutschland (ALM) damit einverstanden ist. sie schreibt in ihrer pressemitteilung vom 18.3.2010:

so dürfen produktionsfirmen und private rundfunkveranstalter ihren werbekunden produktplatzierungen gegen entsprechende entgelte in unterhaltungssendungen, serien, spielfilmen oder etwa in sportsendungen anbieten. verboten sind produktplatzierungen in nachrichtensendungen, informierenden magazinsendungen und im kinderfernsehen.

hintergrund ist in erster linie die bestrebung, die deutschen medienanstalten im europäischen wettbewerb um werbegelder und vermarktungskonzepte nicht zu benachteiligen; in anderen eu-ländern ist product-placement schon länger gängige praxis. allerdings – und damit beginnt die verwirrung: bezahlte produktplatzierungen dürfen in die handlung des films oder in eine sendung nur „aus überwiegend programmlich-dramaturgischen gründen“ eingebaut werden, so die ALM. ob der nutella-pott auf dem frühstückstisch in meiner lieblings-soap wirklich für das filmisch-künstlerische konzept des handlungsstranges erheblich ist, darf – mit verlaub – bezweifelt werden. klickstu

seit eben diesen letzten neun wochen reicht allerdings ein hinweis vor der sendung und nach jedem werbeblock: „unterstützt durch produktplatzierungen“ (werbe-richtlinien der landesmedienanstalten vom 17.03.2010, ziffer 4. download). diese unterstützung bezieht sich laut aussage der ALM also auf die handlung, nicht die werbekasse. spinnt man diesen ansatz weiter, scheint es so, als wäre man dort zu der einsicht gekommen, dass markenpersönlichkeiten eine derart bedeutende rolle in unserem alltäglichen leben spielen, dass wir unser tun und sein an ihnen ausrichten – äußerst modern!

aber zurück zum thema: die frage ist, wie werden die neuen möglichkeiten angenommen und umgesetzt. wird schon schindluder getrieben? im youtube-kanal vom fernsehblog bin ich fündig geworden. auf dem neuen frauensender sixx (übrigens geleitet von der ex-dmax-chefin katja hofem-best) lief dort neulich eine spannende episode mit djamila rose, die ihren strahlenden promi-status einer 8 jahre lang zurückliegende affaire mit einem botschafter zu verdanken hat. thema der sendung: wellness und windeln – also die frage, wie man das mutter-sein und maximal-entspannung unter einen hut bekommt. der kommentator erzählt munter aus dem off heraus, dass djamila gerade in „europas edelstem baby- und familienhotel“ unterwegs und der service hier unübertrefflich sei. nachdem er die werbebroschüre des hotels fertig vorgelesen hat, folgt ein werbeblock und es wird spannend… jetzt muss sixx den product-placement-hinweis einbauen.

und das tut der sender auch pflichtbewusst. gleichzeitig nutzt er eine lücke in der gesetzgebung der ALM aus… diese hatte bei der formulierung des gesetzestextes nämlich nirgends verlangt, der hinweis müsse gut erkennbar oder gar lesbar sein. das ergebnis sieht so aus:

charmant: weiße schrift mit hellgrauem schatten auf hellblauem untergrund. dieselbe idee hatte vor jahrzehnten schon otto waalkes mit der ostfriesischen kriegsflagge („weißer adler auf weißem grund“) – unterschied: der meinte das damals noch als scherz. sixx störts nicht. deswegen darf man gespannt sein, ob sich das aufsichtsgremium der ALM in den nächsten tagen zu solchen fällen äußert. wenn nicht, kann der hinweis in meinen augen auch völlig weggelassen werden.

  1. ja toll, damit apple und co jetzt auch noch in GZSZ etc. vorgezeigt werden koennen…

    fand die versuche, das markenlogo zu retouchieren viel witziger!😀

  2. Die Placement Kennzeichnungspflicht hilft niemandem http://bit.ly/bqHc8B

  3. „Denn in einer Welt, in der die Zuschauer, ausgerüstet mit Festplatten-Rekordern und empowered durch soziale Netzwerke selbst ihr Programm und das ihrer Freunde gestalten, ist Product Placement irgendwann die einzige Form der Werbung, die bleibt. Eingebettet in die Botschaft, als embedded Content sozusagen, überlebt das Produkt auch dort, wo es mangels Programm keine Unterbrecher-Werbung mehr geben kann. In Musik-Videos lässt sich das schon ganz gut beobachten.“

    Marc Schwieger ist Partner bei der Scholz & Friends Group und Geschäftsführer von Scholz & Friends Neumarkt sowie Scholz & Friends Corporate Broadcasting, der Bewegtbildeinheit von Scholz & Friends.

    • Hallo Matthias,

      war eben auf deiner Seite und habe die zitierte Nielsen-Studie (Unterpunkt: Marktforschung) gesehen – das sind ja spannende Ergebnisse. Insbesondere bin ich überrascht, dass die positive Markenwahrnehmung nur etwa halb so stark steigen soll wie der Kaufwunsch… Ist erstere nicht faktisch Voraussetzung für zweiteren?

      Vllt. kannst du ja hier einen Link zur Studie posten…
      Grüße
      Philipp

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