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zurück zum glück: facebook mit internationalem glücksindex

In marketing, miscellaneous on 13/05/2010 at 17:51

mit über 450 millionen nutzern hat sich facebook längst zum datenmekka für meinungsforscher entwickelt. auch hierzulande hat bereits jeder zehnte bundesbürger eine virtuelle identität in der social community. daher überrascht es – trotz aller kritik an der kommerzialisierung des netzwerks – nicht, dass markt- und meinungsforscher zunehmend versuchen, aus den user-daten automatisch generierte indizes zu entwickeln. ein spannender und klatschkolumnen-tauglicher ansatz ist der „gross national happiness index“ (gnh), quasi das bundesbruttonationalglück – schönes wort. dieser index basiert auf den statusmeldungen, die nutzer zur beschreibung ihrer aktuellen emotionalen stimmung verwenden. einfach gesagt: postet ein land von liebe, glück und zufriedenheit, erhält es einen hohen gnh-wert. meckern die bürger dagegen über das wetter, den job und die allgemeine stimmung, wird dies in einem niedrigeren/negativen wert ausgedrückt. klickstu

gemessen wird all das über ein tool, das die tonalität einer statusmeldung versteht und verarbeitet. bestimmte key-words führen also zu einer positiv- bzw. negativ-wertung der statusmeldung. zu erwarten war, dass an bestimmten tagen die allgemeine stimmung positiver ist als an anderen. eine live-applikation, die facebook letzte woche im unternehmenseigenen blog veröffentlicht hat, zeigt den leicht aggregierten/geglätteten oder tagesaktuellen verlauf des index von september 2008 bis april 2010, ein klick auf das bild öffnet die applikation:

erwartungsgemäß lassen sich deutliche peaks bei weihnachten und ostern erkennen. überraschend schwach fällt dagegen die fröhlichkeit am valentinstags aus – vermutlich gleichen sich hier überschwängliche weibliche statements mit gedrückter stimmungslage bei den herren aus. erkennbar ist aber auch die kollektive trauer in deutschland an robert enkes todestag, dem 10.11.2009. ein zweiter aussschlag nach unten liegt am 26.6. desselben jahres. was es damit auf sich hat, habe ich allerdings noch nicht herausgefunden und bin für jeden hinweis dankbar, am weltdrogentag der uno wird es nicht gelegen haben…

spannend ist zudem, dass facebook die applikation nach einheitlicher methode für mehrere länder (insgesamt 18) anbietet. hier gehen die glückswahrnehmungen durchaus auseinander: während die usa ihrem ruf als unerschütterliche optimisten alle ehre machen, sind gerade länder aus südamerika in 2009 deutlich pessimistischer als noch ein jahr zuvor. kolumbien und venezuela halten hier den mecker-rekord. in unserem lieben vaterland geht’s dagegen berauf mit dem glück: die deutschen trauen sich anscheinend zaghaft mehr und mehr optimismus zu. möglich wäre jedoch ebenso, dass diese entwicklung dem allgemeinen trend des „positive messaging“ (pdf) entspricht, der uns bei steigender belastung zwingt, nach außen optimistisch und fröhlich aufzutreten, während im inneren noch die folgen persönlicher oder allgemeiner krisen bewältigt werden…

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nachtrag: der 26.6.2009 geht mit dem tod von michael „king of pop“ jackson als trauertag in die geschichte ein. danke an die hinweisgeber!

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