stenographique

verdammt gute verbraucher-informationen (updated)

In marketing, meinungen on 09/05/2010 at 14:05

eine ladung guerilla, etwas virales dazu, ein online-anschluss, zwei löffel grips, ein paar babies oder welpen, provokation, nackte haut und eine tüte witz. vielleicht sieht es so aus, das rezept für gute werbung. vielleicht auch ganz anders. letztendlich egal – denn hier soll nicht die frage untersucht werden, ob gute werbung (aus sicht des verbrauchers) auch wirklich gute werbung (aus sicht der auftraggeber) ist. stattdessen eine kleine galerie mit leckerbisschen, die sich über die jahrzehnte in stenographiques endlosem archiv angesammelt haben…

und wenn ich so darüber nachdenke, werde ich meine persönliche bucket-list wohl noch um einen punkt erweitern müssen und auf eine richtig gute idee warten. dass das anderen schon in beeindruckender art und weise geschafft haben, soll folgende kleine liste (die mit der zeit noch erweitert wird) zeigen. genug vorgeplenkel – film/bild/text ab: klickstu

  1. kampagne: the volkswagen banknote
    kunde: vw
    produkt: bluemotion
    agentur: ddb berlin
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    keine ahnung, warum nicht schon viel früher jemand darauf gekommen ist… und wenn doch, hoffe ich, er/sie hat sich seine brilliante idee versilbern lassen. hier wird das alltägliche gut mit dem höchsten involvement kurzerhand als werbeträger missgebraucht. wahnsinnig guter und nachhaltiger effekt, den man mit einem stempel und ein bisschen bargeld erzielt. schade aber, dass vw nach einem piloten mit 5.000 scheinen der mut verlassen hat:
  2. kampagne: your free coffee is ready
    kunde: mc donalds
    produkt: mc café
    agentur: cossette vancouver
    ___________________________
    auch hier ist der aufwand überschaubar, der effekt dafür umso größer. der agentur von mc donalds reichen ein paar bushaltestellen plakate und eine kleine nebelmaschine, um die marke sympatisch und smart in szene zu setzen. von zeit zu zeit sprudelt der nebler aus der kaffeetasse heraus dampf in den hohlraum zwischen den scheiben und macht den hinweis auf einen gratis-kaffee sichtbar, den sich wohl jeder betrachter dieser installation direkt abgeholt hat.
  3. kampagne: the big pilot’s strap
    kunde: IWC schaffenhausen
    produkt: big pilot’s watch
    agentur: jung von matt/alster
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    wenigstens für einen kurzen, ruckeligen ritt in einem flughafen bus… wenigstens für einen moment eine edel-uhr tragen. IWC nimmt uns hier ziemlich intelligent (wenn auch nicht revolutionär neu, erste ideen schon 1999) die angst vor einer 5.000 euro investition. auch wenn das tragegefühl des armband-samples wohl zu wünschen übrig lässt, ein hingucker ist es auf jeden fall…
  4. kampagne: zebrastreifen
    kunde: procter&gamble
    produkt: meister propper
    agentur: grey, düsseldorf
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    hätte man mir einen schwamm und ne flasche meister propper gegeben, ich hätte sogar geld bezahlt, um den rest dieses fussgängerübergangs auch noch zu reinigen. großartig einfach, wahnsinnig effektvoll. diese guerilla-aktion macht lust auf ein reinigungsmittel – definitiv kein selbstläufer!
  5. kampagne: burschis raus
    kunde: ?
    produkt: ??
    agentur: ???
    ____________________
    verbraucherinformation trifft es in diesem fall nicht ganz… aber: neulich auf dem weg zur uni: vom campus ist man visuelle reizüberflutung ja gewohnt, daher ist es ein umso größerer coup, dennoch einen echten eyecatcher zu landen. gelungen ist das ein paar jungs oder mädels, die in göttingen intensiv mit burschenschaften diskutieren wollen. einseitig versteht sich. völlig losgelöst von der message, bin ich begeistert von der einfachheit und dem effekt: die kreativen bastler haben mit einer chemie-mischung in großen buchstaben ihre message in einem extrem hoch frequentierten steilhang vor der bibliothek hinterlassen. in einem zinnfiguren-forum bin ich auf eine möglichkeit gestoßen, wie es hätte gelaufen sein können: mit einer mischung aus aceton, spiritus und kloreiniger-granulat erhält man wohl eine mischung, die fast allen oberflächen die farbe entzieht – auch gras: photosynthese, zellulose und so…  keine ahnung, wie das ganze juristisch ist, aber ich vermute fast, dass man hier überhaupt keine konsequenzen fürchten muss. nichts fehlt, nichts ist im klassischen sinne beschädigt und selbst gras zu ersetzen stelle ich mir nicht besonders teuer vor. rechts noch ein detailfoto (klick) von dieser gelungenen aktion (zur nachahmung natürlich trotzdem nicht empfohlen!). falls jemand genaueres zum entfärbe-gemisch weiß, freue ich mich und schreibe seinen namen in den rasen vom olympia-stadion.
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  6. kampagne: arme kinder-guerilla
    kunde: kinderschutzbund
    produkt: ?
    agentur: ??
    _________________________
    noch ein beispiel aus göttingen, wieder guerilla. kreativ dieses städtchen… dieses mal macht der kinderschutzbund an einem sonnigen tag auf der verkehrsinsel vor dem hauptbahnhof furore. die nachricht: auch wo es niemand vermutet, gehört kinderarmut zum alltag. der bund kommt im landkreis göttingen auf 7.216 in armut lebende kinder und stellt für jedes ein kleines blaues fähnchen auf. 7.216 kleine fahnen auf einer fläche nicht größer als ein hörsaal – eine gelungene aktion, die eingang in stadtmagazine und die tageszeitungen gefunden hat.

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  7. kampagne: indoor advertising
    kunde actionaid
    produkt: ?
    agentur: grey worldwide, new delhi
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    schon 2006 hat actionaid mit der website http://www.delhishomeless.com (die mittlerweile wieder offline ist) auf die prekäre situation der obdachlosen in der indischen boomtown aufmerksam gemacht. ihr werben um spenden wurde mit einer extrem einfach gehaltenen plakatkampagne unterstützt – passend zum kargen und vermutlich recht freudlosen leben vieler obdachloser. die message kann im vorbeisausen auf der mofa oder im tata durchaus übersehen werden, sie offenbart sich aber spätestens auf den zweiten blick in kombination mit der internet seite und der subline „support homeless people“.
  8. coming soon…
  1. […] This post was mentioned on Twitter by philipp spreer. philipp spreer said: verdammt gute verbraucherinformationen: eine ladung guerilla, etwas virales dazu, ein online-anschluss, zwei löffe… http://bit.ly/dwdsOd […]

  2. mc donald´s und meister propper gefallen mir besonders gut! nur das die leute vorm free coffee etwas angst zu haben scheinen. aber die idee ist einfach genial!

  3. […] simpel das ganze – und wie immer: deswegen auch so gut (siehe vw, puma oder samsung). laut w&v schleudert paypal rund 2.000 flaschen unter die fussballfans […]

  4. Also mal abgesehen davon, dass Reklame nichts mit Verbraucherinformation (sondern eher -desinformation) zu tun hat, finde ich den Begriff „gute Werbung“ auch widersprüchlich, vergleichbar mit „schöner Waffe“. „Gut gemacht“ und „unterhaltsam“ kann das zwar zuweilen sein (einige der obigen Beispiele sind sicherlich kreativ), aber letztlich geht es doch immer nur um den Abverkauf von Dingen bzw. darum, die Marktmacht der Konzerne weiter auszubauen – und die Kommerzialisierung bis in die hintersten Winkel unseres Lebens zu treiben. „Gut“ finde ich daran nichts – eher schädlich.

    • lutz,

      vielen dank für den kommentar. in deinem ersten punkt kann ich dir vorbehaltlos zustimmen: verbraucherinformationen ≠ werbung. keine frage! die terminologie der „verbraucherinformationen“ wurde ja im vergangenen jahrzehnt als synonym für werbung verwendet, als diese durchweg als negativ und manipulativ betrachtet wurde (und was sich in meinen augen seit den 90ern stark verändert hat). heutzutage schwingt dem begriff daher immer eine kleine ironische note mit, die zugegebenermaßen in schriftlicher form schwer zu transportieren ist.
      womit wir beim zweiten punkt wären: es geht hier (wie einleitend geschrieben) nicht darum, die erfolgreichsten kampagnen (im sinne einer maximalen umsatzförderung) zu küren – dafür würden mir auch informationen und hintergrundwissen fehlen. die hier erwähnten beispiele eint dagegen, dass sie es schaffen, in einer reizüberfluteten welt durch witz, charme, schock oder kreativität herauszustechen und einen besonderes nachhaltigen oder breiten eindruck bei den betrachtern zu hinterlassen. dass es eben nicht nur um geldmacherei geht, erkennst du auch an den bespielen aus dem bereich social business oder den nicht produktbezogenen.

      ich freue mich auf deine meinung!

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