stenographique

kinder in not helfen haribo

In marketing, meinungen on 24/01/2010 at 21:35

haribo macht kinder froh – das wissen wir, schließlich verfolgt uns der jinglende ohrwurm seit 1935 und ist der bekannteste werbeslogan deutschlands. damit das so bleibt, setzt der bonner süßwarenhersteller derzeit auf eine kooperation mit der bild-aktion „ein herz für kinder“. die kennen wir auch.

diese kooperation sieht wie folgt aus (pressemitteilung): für jede zwischen dem 14.2.2009 und dem 30.3.2010 verkaufte einheit goldbären spendet haribo einen cent. und legt am ende auf jeden cent noch einen drauf. macht in der summe 2 cent pro packung (also auch für die 450g-eimer). die aktion, die vom neuen wetten-dass-traumpaar hunziker&gottschalk gnädig lächelnd beworben wird, soll in diesem zeitraum eine spendensummer von 1.000.000 eur zusammenzutragen.

ich bin des kleinen einmaleins mächtig und rechne einmal nach: wenn eine million euro durch einzelbeträge à 2ct herangekleckert werden soll, macht das insgesamt 50.000.000 verkaufte einheiten (in worten: fünfzig millionen). bei einem durchschnittlichen preis von 1,20 pro packung spült das 60.000.000,00 euro in die handelskassen. gehen wir jetzt von einer goldbären-marge von 30% aus, die für die süßwarenbranche eher hanseatisch kalkuliert ist, dann bringt diese aktion haribo die immer noch massive summe von 18 millionen euro. zur erinnerung: eine wird gespendet. und obendrin gibts von axel spinger noch eine spendenquittung, alles steuerlich gewinnmindernd absetzbar also. klickstu
um aus der aktion eine richtige social marketing kampagne zu stricken, gibts neben den bereits erwähnten tv-testmonials und der superpositiv-pr in der bild-zeitung noch eine charity-sms-aktion und – logo – eine iphone-app dazu. konzipiert wurde das ganze übrigens von seven principles aus köln. wir halten fest: haribo launcht eine social-marketing kampagne (die zugegebenermaßen sehr gut zur marke passt), poliert das image auf und verdient damit auch noch 17 millionen (abzgl. der kampagnenkosten). das will so gar nicht zur definition von social marketing passen: bei wikipedia steht beispielsweise, dass es häufig als synonym für non-profit-marketing verwendet wird.

die maßnahme zielt also eindeutig darauf ab, sich den eigenen abverkauf (im wahrsten sinne des wortes) zu versüßen. dabei fährt man die mitleidstour und baut auch noch lächelnd ein schlechtes gewissen bei den kunden auf: kaufst du nichts, spenden wir nichts, kriegen die kinder nichts. klar ist: keiner hat etwas zu verschenken. aber: mit einer hilfsaktion für kinder richtig abzusahnen, kann’s auch nicht sein!

btw: bisher sind haribo & bild von der million noch weit entfernt. unter http://herz.haribo.de/ zeigt der ticker bisher erst überschaubare 140.000 euro an. da braucht der abverkauf wohl noch ein bisschen mediendruck…

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